Die Verlängerung im Norden Neuseelands NSX2502

Als wir um 8.30 Uhr unsere Motoren starten, schlummert der Großteil der Stadt noch. Es ist Sonntag, die Sonne lacht und die Straßen sind leer. Wir rollen durch wunderschöne Wälder. Unser erstes Ziel des heutigen Tages: Piha Beach. Einer der wunderschönen schwarzen Strände im Norden Neuseelands, besonders beliebt in der Surf Szene. Wir genießen einen Kaffee und frisch gebackenen Pudding-Hefe-Zopf. Um uns herum sind sich alle vertraut. Jeder kennt jeden und wie immer in Neuseeland sind alle unverschämt freundlich. Nach einem kleinen Foto-shooting am Strand geht es weiter zum Kaipara Coast Pflanzenzentrum. Wer mindestens einen grünen Daumen hat, dem wird ganz kribbelig vor Freude an den vielen exotischen Exemplaren, die es hier zu erwerben gibt. Wir sind allerdings nicht unbedingt gekommen, um pflanzen zu kaufen. So ein Feigenbaum lässt sich auf dem Motorrad furchtbar schlecht transportieren. Uns geht es mehr um die leckeren Sandwich im tollen grünen Ambiente. Der perfekte Lunch Spot! Am Nachmittag wartet das Kauri-Museum auf uns. Eine wahnsinnig spannende Ausstellung zum beeindruckenden Kauri-Baum, dessen Geschichte und die Rodung der letzten Jahrhunderte. Weißt du, warum man es lange Zeit auf das Kauri-Gummi abgesehen hatte? Das Harz des Baumes? Wir sind jedenfalls alle begeistert! Man munkelt ganz bald bekommen wir auch ein waschechtes und lebendiges Exemplar zu sehen! Für heute reichts aber erstmal. Auf einer wundervoll geschwungenen Straße tanzen unsere Motorräder bis nach Whangarei, unserem heutigen Tagesziel. Nach einer heißen Dusche und einem Glas Wein in der Hotelbar, samt Weihnachtsmusik, na hörmal, machen wir uns auf zum Abendessen. Wir lassen den Tag auf der Terrasse am Hafen ausklingen. Sonne und dunkle Wolken sorgen für außergewöhnlich mystisch-schöne Stimmung.
Heute ist ein Tag voller Extreme. Wir verlassen Whangarei zunächst in westlicher Richtung auf dem Gumidigger Highway. Der Name des Highways verdankt sich den Schürfern des begehrten, bernsteinartigen Kauriharzes. Kurz nach Dargaville machen wir einen Stopp bei Rick Taylor. Er ist ein Künstler, der Swamp Kauri in wunderschöne Schalen, Teller und Kugelschreiber verwandelt. Es wird das letzte Mal sein, dass wir ihn hinter seiner Drechselmaschine sehen, denn er geht in Rente – und das hat er sich redlich verdient. Weiter geht es zum 100 Kilometer langen Bailyes Beach. Es ist zu gefährlich, darauf zu fahren, aber ein schönes Foto ist möglich. Anschließend fahren wir Richtung Norden durch den Kauriwald von Waipua. Wow, diese Kurven in Kombination mit dem Wald sind wirklich beeindruckend. Das Highlight im Nordland sind die Kauribäume. Einer davon ist der Tane Mahuta, auch „Lord of the Forest” genannt. Sie können bis zu 60 Meter hoch werden. Leider wurden diese majestätischen Bäume in den frühen 1900er Jahren im großen Stil gefällt. Der Hokianga Harbour beeindruckt uns nicht weniger. Er reicht 30 Kilometer ins Land, sodass wir eine Fähre nehmen müssen, um ihn zu durchqueren. Anschließend fahren wir durch die Mangamuka Gorge, die nach Jahren Anfang des Jahres wieder zum Befahren geöffnet wurde. Unser Ziel heute ist die Halbinsel Karikari. Was für ein toller Ort zum Übernachten! Von hier aus hat man eine fantastische Aussicht. Morgen geht es dann an den nördlichsten Punkt Neuseelands, also dranbleiben!
Unser dritter Fahrtag bricht an. Wir frühstücken gemeinsam im Golf Resort, mit wunderschöner Aussicht ins Tal und ohne Strom, weil Stromausfall auf der gesamten Halbinsel. Zum Glück wird hier noch mit Gas gekocht! Und in dem Fall oder eben Ausfall tuts auch der Instant Kaffee. Anschließend gehts los, immer gen Norden auf der 1, bis wir schließlich das Cape Reinga erreichen. Der nördlichste Punkt Neuseelands, den man gut mit dem Motorrad erreichen kann. Es ist einfach magisch an dem Leuchtturm zu stehen und zu bestaunen, wie Tasmanische See und der Pazifik zusammen kommen. Auch die Straße zum Cape Reinga zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht. Die Landschaft ist wie immer wunderschön und abwechslungsreich. Majestätische Greifvögel fliegen durch die Lüfte. Die Wolken hängen in den Tälern. Mittags überrascht Michaela uns mit einem wundervollen Picnic am Strand. Nachdem unsere und anschließend die Möven Bauche gut gefüllt wurden geht es weiter zum Toiletten Stop. Aber nein. Nicht irgendeine beliebige Toilette! Wir besuchen die Toilette von Friedensreich Hundertwasser. Ein Meisterwerk der Architektur, das bunteste stille Örtchen, das die Welt gesehen hat. Das Kunstwerk darf im übrigen auch genutzt werden. Es ist eine "ganz normale" öffentliche Toilette. Bevor wir im Hotel ankommen wartet noch eine gemütliche Fährfahrt auf uns. Abends sitzen wir gemeinsam auf der Terrasse und lassen den Tag mit ein bis drei Wein und "dessert first" ausklingen.
Heute heißt es zum letzten mal "Gepäck an den Van" und "Briefing an den Motorrädern!". Zuvor frühstücken wir gemütlich auf der Hotel Terrasse. Das Wetter ist wunderbar, wie an den meisten anderen Tagen unserer Reise. Von Russel treten wir den letzten Fahrtag zurück nach Auckland an. Und auch heute warten nochmal tolle Straßen und wundervolle Ausblicke auf uns! Wir beginnen unseren Tag entlang der Old Russel Road, vielleicht eine der coolsten Motorrad Straßen in Neuseeland! Wer weiß das schon, bei den unzählig tollen Straßen! Eine schöner als die andere! Die Old Russel Road macht besonders viel Spaß, da die Straße kaum befahren ist, denn die Meisten Fahrzeuge verlassen Russel über die Fähre, was wesentlich schneller geht, aber so viel weniger Fahrspaß bringt. Nach einem wunderschönen letzten Fahrtag und nicht zu vergessen, einem leckeren Eis, rollen wir nachmittags in Auckland ein. Wir geben unsere Motorräder ab und dann geht es in diesem komischen Gefährt mit vier Rädern zurück ins Hotel. In den vergangenen 18 Tagen wurden wir von Neuseeland jeden Tag aufs neue überrascht. Die Schönheit der Natur und die Vielfältigkeit des Landes haut einen schlicht aus den Socken! Das ist in Neuseeland tatsächlich halb so wild, hier ist es ganz normal barfuß herum zu laufen. Kaum zu glauben, dass unsere Reise hier ein Ende nehmen soll. Neben Manuka Honig, kleinen flauschigen Plüsch-Kiwis und Kauri-Holz-Schmuckstücken nehmen wir vor allem eines mit nach Hause: unzählige bunte Erinnerungen an ein Land, das so schön ist, man kann es kaum in Worte fassen. Und für viele von uns ist klar: Wir wollen wieder kommen, ans "andere Ende der Welt"