Unvergessliches Marokko - MCT2601

Einige Teilnehmer sind bereits gestern angereist, um den Jetlag zu bekämpfen und erholt in die Reise zu starten. Die restlichen Teilnehmer folgten im Laufe des Tages. Wir sind eine große Gruppe von elf Fahrern und fünf Soziusfahrern aus fünf verschiedenen Ländern, was hoffentlich für eine tolle Dynamik und viel Spaß sorgt! Wie immer begannen wir unsere Tour am Nachmittag mit der offiziellen Welcome-Briefing, bevor wir zum angenehmen Teil übergingen: der Übergabe der Motorräder und das erste Kennenlernen. Dies setzte sich in entspannter Atmosphäre beim gemeinsamen Begrüßungsessen im Hotel fort. Alles in allem ein gelungener Start, und wir sind alle gespannt, was der morgige Tag bringt!
Unser Plan war sehr gut, ja wirklich sehr gut! Unser Ziel - die Einreise nach Marokko! Wir starteten pünktlich um 9 Uhr aus der Garage unseres Hotels in Malaga, befanden uns kurz darauf auf der Autobahn Richtung Algeciras und trafen dann dort mehr als rechtzeitig am Fährhafen ein. Der Wind und der beginnende leichte Regen kündigten allerdings schon an, dass die Überfahrt nach Ceuta keine ruhige werden würde. Dass aber die Fähren reihenweise wegen des stärkeren Seegangs abgesagt wurden, verursachte natürlich keinen großen Jubel bei uns. Dennoch ließen wir uns nicht aus dem Tritt bringen und organisierten uns um auf eine spätere Fähre. Schließlich standen wir um 20 Uhr an der marokkanischen Grenze. Zum Glück tickte Marokko aber noch nach der Ramadanzeit, was uns in der Tat eine extra Stunde Zeit bescherte. In weiser Voraussicht hatten wir bereits in Spanien unser Hotel umgebucht, so dass wir direkt nach dem Grenzübergang unsere Motorräder in der Hotelgarage parken konnten. Ziel erreicht!
Nach den unerwarteten Ereignissen von gestern lagen heute einige zusätzliche Kilometer vor uns. Deshalb brachen wir früh auf und legten ein kurzes Stück Autobahn zurück, um etwas Strecke gutzumachen. In Tetouan trafen wir wieder auf unsere ursprüngliche Route und genossen die malerische Fahrt durch die Berge. Marokko hatte in diesem Frühjahr recht viel Regen erlebt, und das satte Grün der Hügel und die weiten Ebenen dazwischen waren einfach atemberaubend und eine wahre Augenweide. Kein Wunder, dass wir mit einem breiten Grinsen im Gesicht davon fuhren. Da wir uns am Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan befanden, sah man viele Menschen, Familien, die oft auf den Feldern oder an den Berghängen picknickten. Nach einem ersten langen Abschnitt gönnten wir uns eine wohlverdiente Pause und ein leichtes Mittagessen an einem kleinen Rastplatz am Straßenrand, bevor wir den nächsten Abschnitt zu unserem Tageshighlight Volubilis in Angriff nahmen – den Überresten eines alten römischen Handelspostens. Am Fuße des Rifgebirges gelegen, überblickt er die darunter liegende Ebene. Es ist faszinierend, sich vorzustellen, dass hier vor 2000 Jahren bereits Menschen in einer blühenden Gesellschaft lebten. Nach einem kurzen Kaffee startete die Gruppe die Motoren für die letzte Etappe des Tages. Bei Meknes meinte es das Wetter nicht gut mit uns, und wir gerieten in heftigen Regen, der aber zum Glück nur kurz anhielt. Bald klarte es wieder auf, und der Fahrtwind trocknete unsere Kleidung. Die Fahrt führte uns allmählich auf ein Hochplateau, bevor wir unser Ziel in Azrou erreichten. Da es noch nicht Sommer ist, können die Abendtemperaturen noch etwas sinken. Nach einem langen, aber landschaftlich reizvollen Tag kamen wir alle müde, aber voller Erinnerungen im Hotel an, wo Angela bereits auf uns wartete. Beim Abendessen genossen wir ein wohlverdientes Bier und tauschten unsere Erlebnisse des Tages aus. Willkommen in Marokko!
Ob sie wohl schon wach sein werden? Vielleicht schlafen sie ja noch hoch in den Bäumen? Die Rede ist von den Berberaffen, die hier in den Zederwäldern des Atlasgebirges leben. Obwohl sie zu der Art der Makaken gehören, trifft man die hier lebenden Affen nur in den Bergen Marokkos an. Mit ein paar Erdnüssen lassen sie sich anlocken und wir können jede Menge lustiger Fotos machen. Nach einem stärkenden Kaffeestopp in Mrirt genießen wir über Khenifra und Beni Mellal eine fantastische Fahrt durch sattgrüne und blühende, bergige Landschaft. Eine pure Augenweide. Unser Mittagessen in Khenifra ist ausgesprochen lecker, sogar so lecker, dass manche nach einem Nachschlag fragen. In unserem Hotel in Bin El Ouidane werden wir von einem ganz besonderen Empfangskomitee begrüßt.
Nach einem traumhaften Tag gestern wurden wir vom Platschen des Regenwassers geweckt, das vom Dach auf den Boden lief. Die langsam einsetzende Dämmerung enthüllte dann dichte Regenwolken über dem Staudamm Bin El-Ouidane und einen stetigen Tropfenvorhang, der die Aussicht aus unseren Panoramafenstern verschleierte. Aus Sicherheitsgründen und um die Fahrt angenehmer zu gestalten, beschlossen wir, die frühmorgendliche Bergstrecke auszulassen und das Schlimmste abzuwarten. So starteten wir gemütlich gegen 10 Uhr bei trockenem Himmel und fuhren direkt zu unserem Mittagsstopp in Demnate. Während der Fahrt am Morgen sahen wir einige Geröllhalden, die den Hang hinuntergestürzt waren. Sobald wir jedoch das Hochplateau um Azilal erreichten, waren die Straßenverhältnisse wieder hervorragend und die Fahrt hätte nicht schöner sein können. Die weite Landschaft stand in voller Blüte mit wildem Raps, vereinzelten Mohnblumen und anderen Pflanzenarten. Und die Gipfel in der Ferne trugen noch ihre Schneekappen. Demnate ist eine geschäftige kleine Marktstadt, in der Autos, Roller und Minivans unterwegs sind. Da unser Stammrestaurant aufgrund der letzten Tage nach Ramadan noch immer kein Essen servierte, hatten wir Glück: Zwei hilfsbereite Polizisten telefonierten für uns herum und fanden ein Restaurant in der Stadt, das uns bewirtete. Die Polizeieskorte dorthin war inklusive! Das Lokal hatte Hähnchen oder Hähnchen – und zwar richtig authentisch: Die Hähnchenstücke drehten sich am Grill. Angela kam gerade rechtzeitig dazu und half uns, die Motorräder auf dem Bürgersteig und neben dem Laden zu parken. Nach einem gelungenen Mittagessen ging es für uns auf die letzte Etappe nach Marrakesch. Die Straße führte uns direkt durch die wunderschöne Landschaft, vorbei an kleinen Städten und Dörfern, in die pulsierende Metropole. Ein großes Lob an die Gruppe: Wir haben zusammengehalten, aufeinander aufgepasst und kamen problemlos im Hotel an! Das Bier an der Hotelbar hatten wir uns redlich verdient! Und alles Gute Erik!
Heute tauschten wir das Motorrad gegen Wanderschuhe und erkundeten mit Jalal, der die Stadt wie seine Westentasche kennt, die Medina (die Altstadt). Wir begannen in der Nähe des alten jüdischen Viertels, das auch als Salzverkäufer-Viertel bekannt ist, da die Stadtteile früher nach dem Hauptberuf der dortigen Bevölkerung benannt wurden. Wir besuchten die wunderschöne Synagoge und ein altes Gasthaus für Reisende, das erst kürzlich restauriert wurde. Die kleinen Gassen und Durchgänge bilden ein wahres Labyrinth, in dem man sich schnell verirren kann. Marokkanische Häuser sind auf Privatsphäre ausgelegt, das heißt, es gibt nur wenige Fenster zur Straße hin, und man geht hauptsächlich zwischen blanken Mauern entlang. Jalal hielt immer wieder an, um uns die kleinen Details zu erklären, die man leicht übersehen kann. Zum Beispiel, warum es kleine Türen in den wesentlich größeren Türen gibt oder warum es zwei verschiedene Türklopfer gibt. Vom jüdischen Viertel aus führte er uns tiefer in das Labyrinth der Altstadt, vorbei an vielen Straßenhändlern. Anschließend besuchten wir einen Kräuterladen, der sich auf Heilkräuter, Schönheitsprodukte und Gewürzmischungen spezialisiert hatte. Es war eine unterhaltsame Präsentation und ein überwältigendes Fest für die Sinne. Nächster Halt war der Djemaa el-Fnaa, historisch bekannt als der „Platz der Gehängten“. Hier trifft man auf Schlangenbeschwörer, Straßenhändler, Wahrsager und Akrobaten. Tom war begeistert, sich mit einer Kopra fotografieren zu lassen, während Alan das Spektakel lieber aus der Ferne beobachtete. Als unsere Mägen langsam knurrten, war es endlich Zeit für ein köstliches Mittagessen auf der Dachterrasse – inklusive praktischer Kopfbedeckungen! Gut gestärkt kehrten die meisten ins Hotel zurück, um den Nachmittag am Pool zu entspannen, während andere die Stadt auf eigene Faust erkundeten. Am Abend gingen wir zurück in die Altstadt zum Abendessen und wir wollten eigentlich die späte Atmosphäre genießen. Leider zog ein heftiges Gewitter über die Stadt, und wir mussten unseren zweiten Erkundungsgang absagen und genossen stattdessen Cocktails und Essen mit Blick auf die Stadt.
Rasttage sind perfekt dazu geeignet, um sich von den vorhergenden Fahrtagen auszuruhen. Dann aber juckt es auch schon wieder in der Gashand und wir ziehen dann auch gerne wieder weiter. Heute Morgen verlassen wir Marrakesch Richtung Ouarzazate. Allein schon der Blick auf die Bergkette des Hohen Atlas Gebirges, der sich uns bei der Ausfahrt aus Marrakesch bietet, ist majestätisch. Und auch die Fahrt über die Passstraße ist mittlerweile ein fließendes Fahrvergnügen. Wenn ich daran zurück denke, wie die Straße noch vor 10 Jahren ausgesehen hat, dann freue ich mich gleich um so mehr, dass ich jetzt mit dem Motorrad über die bestens ausgebaute Passstraße rollen kann. Ein Gruppenfoto auf der Passhöhe ist natürlich Pflicht! Unser Sightseeing des Tages befindet sich in Telouet, einem kleinen Ort mit historischer Signifikanz. Hier lebte und wirkte die Glaoui Familie in der großen Kashbah von Telouet (mittlerweile eine Ruine), deren Sprössling Tami Glaoui im Jahr 1953 den damaligen König Mohammed V. ins Exil schickte. Der starke Regen der Vortage verursachte, dass die Flüsse wesentlich mehr Wasser führten, als sie dies sonst tun. Leider beeinflusste dies auch unsere Weiterfahrt, so dass wir umkehren und die große Hauptsraße nehmen mussten. Aber das störte uns nicht im Geringsten. Ganz im Gegenteil, so hatten wir mehr Zeit für die Besichtigung des Ortes Aït Benhaddou, der bereits in vielen bekannten Produktionen als Filmkulisse diente. Unser Abend fand mit einem Ratsch an der Bar und dem Abendessen ein schönes Ende. Was für eine tolle Gruppe!
Nach etwas Aufregung wegen eines kurzzeitig verlegten Helms schafften wir es, dennoch zeitig loszufahren. Unser erster Halt waren die Atlas Filmstudios in Ouarzazate. Dort fanden die internationalen Filmteams ideale Bedingungen - atemberaubende Kulissen, günstige Produktionskosten, tolles Licht und fantastisches Wetter. Einige unserer absoluten Lieblings-Historienfilme wurden zumindest teilweise hier gedreht. Nicklaus konnte nicht widerstehen, seinen inneren Kaiser rauszulassen und probierte den königlichen Thron gleich mal aus. Nach den Studios konnten wir alle die Geländetauglichkeit unserer Motorräder testen und unsere Grenzen etwas weiter ausloten. Wir meisterten mehrere überflutete Straßen und schlammige Abschnitte und blieben dabei immer aufrecht. Und was wäre ein persönlicher Triumph ohne ein kleines Video, das die Herausforderung festhält? ;) Großartige Leistung von allen! Zum Glück war unser Kaffeestopp nicht weit vom letzten anspruchsvollen Abschnitt entfernt, und wir quetschten uns alle auf den Parkplatz, um uns einen wohlverdienten Zuckerschub und einen Kaffee zu gönnen. Von dort aus ging es weiter in die Dadès-Schlucht, und zu unserer Überraschung erwartete uns Angela mit einem Picknick. Begleitet wurden wir von einigen pelzigen Freunden, die ruhig auf die Essensreste warteten. Essen schmeckt einfach viel besser, wenn man hungrig ist, und die zusätzlichen Kalorien hatten wir uns heute wirklich verdient. Wir schafften es gerade noch, das Festmahl zu beenden, bevor der Regen langsam einsetzte. Normalerweise hat man den Nachmittag zur freien Verfügung, um die Schlucht auf eigene Faust weiter zu erkunden, aber da sich das Wetter verschlechterte, fuhren viele direkt ins Hotel, einige machten aber noch einen kurzen Ausflug mit einer Kaffeepause zum Gipfel der Felsformation. Zurück im Hotel trafen wir auf andere Motorradgruppen und viele Touristen aus aller Welt. Vor dem Abendessen legten wir einen ausgiebigen Stopp an der Bar ein – und habe ich schon die Dessertauswahl beim Abendessen erwähnt? Wir haben unsere Teller bis zum Rand vollgepackt!
Die Vorfreude auf die Wüste ist heute Morgen bei allen deutlich zu spüren. Die große Weite der Steinwüste, durch die wir gestern gefahren sind, wird sich auch am heutigen Fahrtag bis kurz vor Merzouga fortführen. Erst dort werden wir auf den Teil der Sahara stoßen, der aus Algerien bis nach Marokko hinein reicht - die Sanddünen des Erg Chebbi. Bisher haben wir auf dieser Marokko Tour außergewöhnlich viel Wasser von oben erfahren. Und auch heute ist stellenweise Regen vorhergesagt. Doch wir haben Glück - den ganzen Tag "schlängeln" wir uns durch die Gewitterwolken. Zunächst fahren wir in die Thodra Schlucht mit ihren steil aufragenden Felswänden. Auch Franzis Picknick können wir unerwarteterweise im Trockenen genießen. Wir schaffen es auch tatsächlich so gut wie trocken nach Merzouga zu kommen. Allerdings machen uns dort dann die Auswirkungen der heutigen starken Regenfälle auf den letzten 200 Metern zur Hoteleinfahrt ganz schön zu schaffen. Was sonst eine auf festem Untergrund sehr einfach zu fahrende kurze Strecke ist, hat sich tagsüber in eine sehr schlammige Angelegenheit verwandelt. Das Hotel ist so nah und scheint doch so weit entfernt. Die Zufahrt ist alternativlos und so "kämpfen" sich alle Fahrer durch den tiefen Matsch. Ziemlich verschlammt aber sehr glücklich genießen wir kurz darauf unser Stiefelbier auf der Terrasse des Hotels. An eine Übernachtung im Zelt in den Sanddünen ist heute leider nicht mehr zu denken. Die Kamele für den Ausflug in die Dünen müssen noch bis morgen warten.
Nach den gestrigen Erlebnissen starteten wir den Tag ganz entspannt mit einem späten Frühstück und einem Ausflug in die Wüste am späten Vormittag. Unsere vierbeinigen „Schiffe der Wüste“ warteten geduldig auf uns, und schon bald hatte jeder von uns sein eigenes Kamel zugeteilt. An den Sattel mussten wir uns erst gewöhnen, und das erste Aufstehen war etwas wackelig. Es war überraschend, wie hoch die Kamele sind. Wir fanden aber schnell unseren Rhythmus, und unsere Wüstenführer brachten uns in die farbenprächtigen Dünen. Das Auf und Ab auf dem Kamelrücken war anfangs etwas beunruhigend, aber wir blieben alle gut im Gleichgewicht. Nach einem kurzen Ritt machten wir eine Pause, um Fotos zu machen oder die Stille der Wüste zu genießen. Der Rückweg führte über ähnliche Pfade, aber auf einer etwas anderen Route. Zwei Stunden reichten völlig aus, und einige von uns hatten am nächsten Tag sogar mit Muskelkater zu kämpfen. Zum Mittagessen kehrten wir ins Hotel zurück und genossen marokkanischen Salat und köstliche Tajine. Während einige in die Stadt gingen, um zu sehen, wie das tägliche Leben in der Oase seinen Lauf nimmt, beschloss der Großteil der Gruppe, sich mit vier Rädern in der sandigen Landschaft zu vergnügen. Vor allem die Damen hatten die Gelegenheit, das Steuer zu übernehmen und ordentlich Gas zu geben! ;) Am Abend trafen wir uns alle wieder, tauschten unsere Erlebnisse aus und genossen einen herrlichen Sonnenuntergang auf der Dachterrasse des Hotels.
Am Morgen ging die Sonne über der Wüste auf, und wir machten uns für einen frühen Start bereit. Heute stand die längste Etappe unserer geplanten Route auf dem Programm – 480 km oder knapp 300 Meilen. Wir ließen die rotglühenden Dünen hinter uns und fuhren allmählich wieder in Richtung des Atlasgebirges im Norden. Die Landschaft wurde felsiger und karger, nur vereinzelt unterbrochen von Bäumen oder Sträuchern. Ein weites, offenes Land, in der Ferne von Bergzügen begrenzt. Unser erster Halt des Tages war das Vallée de Ziz. Der Fluss hat über Jahrtausende sich in die Schlucht gegraben, und am Grund haben die Einheimischen eine üppige Oase mit Palmenhainen und Feldern geschaffen. Wir genossen die Aussicht bei einer Tasse Kaffee und lateinamerikanischen Klängen im Hintergrund. Praktischerweise gab es im Café auch einen gut sortierten Souvenirladen, den einige von uns ausgiebig nutzten. Nur eine kurze Fahrt von dort entfernt hielten wir erneut an, um schnell ein Foto am Legionärstunnel zu machen, der Ende der 1920er Jahre von der französischen Armee in Handarbeit erbaut worden war. Von hier aus fuhren wir einige Kilometer weiter bis nach Midelt, wo wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlugen: Mittagessen und Tanken. Es gab hervorragende Pizzen, und zu unserer Überraschung sprach unser Kellner sehr gut Deutsch. Das Beste daran war, dass wir bereits mehr als die Hälfte der heutigen Strecke zurückgelegt hatten, denn der volle Bauch nach dem Mittagessen hatte uns etwas ausgebremst. Die Straßen waren jedoch großartig, an vielen Stellen kurvenreich, aber mit langen Geraden, auf denen man richtig Gas geben konnte. Marokko ist in vielen Teilen eine einsame und offene Landschaft, mit landwirtschaftlichen Flächen und viel Vieh, das die schmalen Streifen von Niemandsland zu beiden Seiten der Straße zum grasen nutzten. Auf unserem Weg nach Fes fuhren wir unaufhörlich in diesem sich ständig verändernden Straßen- und Landschaftsmuster vorbei. Eine Stunde vor der historischen Stadt machten wir einen letzten Stopp, um durchzuatmen und die Toilette aufzusuchen. Danach wurde die Umgebung sehr schnell urbaner. Wir begannen unsere Reise in Sefrou, wo viele Marokkaner ein Sonntagspicknick am Stadtrand genossen. Unsere Fahrt in die große, alte Stadt war aufregend. Links und rechts von uns fuhren Autos. Einige Fahrgäste winkten und fotografierten die Motorräder. Einmal dachten wir schon, wir hätten unseren Schlussfahrer Alex verloren, aber zum Glück bog er gerade noch rechtzeitig um die Ecke. Die Gruppe hielt sich hervorragend zusammen, schlängelte sich geschickt durch den Verkehr und schaffte es, durch eines der Stadttore zu gelangen. Nach einem langen und wunderschönen Tag kamen wir endlich im Hotel an. Angela geleitete uns auf die Terrasse, wo wir uns ein wohlverdientes kühles Getränk gönnten und Pierres Geburtstag mit einer riesigen Torte feierten!
Fes - was für eine unglaubliche Stadt! Wobei wir hier nur von der Medina sprechen, dem mit einer Stadtmauer komplett umrandeten, über 1200 Jahre alten Teil von Fes. Seit dem Jahr 1981 ist sie von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt worden. Die größte autofreie Fußgängerzone der Welt wird von einer 10 Kilometer langen Stadtmauer umschlossen und in sie hinein gelangt man über acht Haupttore und mehrere kleine Nebentore. Unsere heutige Citytour begann aber zunächst mit einer kurzen Busfahrt zum außerhalb der Stadt liegenden Töpfereiviertel. In der dortigen Töpfereischule wurde uns gezeigt, wie der berühmte weiße Ton dieser Gegend zu wunderschönen, farbenfrohen Tajinetöpfen, Tellern, Tassen, Fließen und noch vielem mehr verarbeitet wird. In der Medina selbst besichtigten wir den Königspalast, bzw. seinen Eingangsbereich, besuchten die älteste Koranschule der Stadt, sowie diverse Produktionsstätten wie die Messingwerkstatt und die für Fes so berühmte Gerberei. Allein der Spaziergang durch die schmalen Gassen der Altstadt, vorbei an den unzähligen kleinen, bunten Läden mit den geschäftstüchtigen Marrokanern zog uns in ihren Bann. Wir beenden diesen tollen Rasttag mit einem modernen marokkanischen Abendessen in der Medina.
Wir verließen Fes heute Morgen bei strahlend blauem Himmel auf einer recht direkten Route Richtung Osten. Leider verloren wir Alexander, unseren letzten Fahrer, in einem der vielen Kreisverkehre aus den Augen, konnten ihn aber rechtzeitig wiederfinden. Die Fahrt zum ersten Kaffeestopp war wunderschön. Wir fuhren durch sanfte grüne Hügel, vorbei an Weizenfeldern, so weit das Auge reichte. Nach dem Kaffeestopp folgten wir der Straße, die wir schon auf dem Hinweg nach Süden benutzt hatten. Doch diesmal fühlte es sich ganz anders an. Nahe Quezzane fanden wir ein nettes kleines Lokal mit schnellem Service und schattigen Tischen. Während der gesamten Tour bestellten wir immer mehr frischen Orangensaft, und heute war der ganze Tisch damit vollgestellt. Nachdem wir uns physisch gestärkt hatten, war es Zeit etwas für die Seele zu tun. Wir bogen in einen kleinen Bergabschnitt Richtung Zoumi ein und fuhren die nächsten anderthalb Stunden von einer Kurve zur nächsten. In Moqrisset stolperten wir über den lokalen Markt. Zelte und Stände säumten den gesamten Marktplatz. Alles für den marokkanischen Haushalt wurde angeboten, darunter auch Vieh und Kleidung. Wir waren froh, dieses geschäftige Treiben hinter uns zu lassen und setzten unsere kurvenreiche Fahrt aus der Stadt hinaus fort. Wir legten einen kurzen Stopp ein, um etwas durchzuatmen, und fuhren dann auf die Nationalstraße hinauf nach Chefchaouen.
Es ist Zeit, sich von Marokko zu verabschieden. Wir fahren heute Morgen schon früh in Chefchauen los, um rechtzeitig am Fährhafen in Ceuta zu sein. Dazwischen liegt natürlich auch noch die Grenze zwischen Marokko und der spanischen Enklave Ceuta. Zu unserer Freude verläuft der Übergang im Gegensatz zur Einreise vor 14 Tagen äußerst komplikationslos und zügig. Da Europa in der Zwischenzeit auf Sommerzeit umgestellt hat, werden wir in der Komsequenz natürlich gleich um diese eine Stunde "beraubt". Nichtsdestotrotz bleibt uns noch genügend Zeit für einen schnellen Mittagssnack mit Capucchino vor dem Hafengelände. Auch die Fährahrt ist sehr entspannt diesmal, so dass wir nach einer knappen Stunde gut gelaunt auf der Autobahn nach Malaga rollen. Eine zwar ereignisreiche, aber unbedingt wunderschöne Tour geht zu Ende aber unsere gemeinsame Zeit hat uns zu Freunden zusammengeschweißt. Und so freuen sich Franzi und Angela schon auf ein Wiedersehen oder besser gesagt auf ein "Wiederfahren" mit euch allen! Herzlichen Dank für ein einzigartiges Erlebnis !!