CUA260A - Alpen Pur

Die Vorfreude steigt! Nachdem alle Gäste sicher in Seefeld angekommen waren, war es endlich Zeit, unsere Ultimate Alps Tour offiziell zu eröffnen. Auf der Dachterrasse des Hotels, umgeben von einer traumhaften Alpenkulisse, versammelten wir uns zum Willkommensbriefing. Unsere Tourguides Markus und Philipp stellten die Route der kommenden Tage vor, gaben wichtige Hinweise und machten Lust auf die spektakulären Straßen, legendären Alpenpässe und unvergesslichen Landschaften, die vor uns liegen. Nach dem Briefing folgte einer der Höhepunkte des Anreisetages: die Motorradübergabe. Schon bald wurden Windschilder und Spiegel eingestellt, die Menüs der Motorräder erkundet und die Fahrer machten sich mit deutscher Ingenieurskunst vertraut, die sie in den kommenden Tagen durch Österreich, die Schweiz und Italien begleiten wird. Den Abend ließen wir bei einem ausgezeichneten Abendessen mit regionalen Tiroler Spezialitäten ausklingen. Für Gesprächsstoff am Buffet sorgte vor allem das Kürbiskernöl. Für viele Gäste war es eine Premiere. Obwohl seine tiefdunkle Farbe verblüffend an frisches Motoröl erinnert, waren sich alle, die es probierten, einig: Der Geschmack ist um Welten besser! Jetzt wächst die Spannung spürbar. Morgen starten wir endlich zu unserem ersten großen Fahrtag – und ein Name geht dabei wohl jedem durch den Kopf: das legendäre Stilfser Joch. Das Abenteuer kann beginnen.
Schon beim Frühstück war das Ansteigen des Adrenalinspiegels spürbar. Das Stilfserjoch, auch bekannt als Passo Stelvio zu erklimmen, steht auf der Checkliste von Jedem Motorradfahrer. Ein paar Kurven zum Aufwärmen führten uns ins Inntal, welches wir bei Imst wieder verließen. Der Weg ging nun über die Piller Höhe zum Gachen Blick. Wirklich ein atemberaubender Ausblick auf das Inntal und die umliegenden Berge! Der nächste Stopp vermittelte uns einen ganz anderen Ausblick. Am Rande des Reschensees erinnnert ein aus dem Wasser ragender Kirchturm an die Einwohner der Dörfer Graun und Reschen, die 1947 ihrer Dörfer verlassen mussten, weil der Reschensee geflutet wurde. Nach einem kurzen Stopp in Glurns stieg der Pulsschlag nochmals an, die Bezwingung des Passo Stelvio stand unmittelbar bevor. 49 Spitzkehren hoch zu klettern war schon eine Herausforderung, doch oben angekommen erwarteten uns Brunos beste Bratwürste, eine kulinarische Belohnung für all die Anstrengung. Gestärkt fuhren wir über Bormio und Levignio zum letzten Pass des heutigen Tages, zum Passo Bernina. Auf dem Weg von dort zum Hotel ordertete der Tourguide noch einen kurzen, aber starken Regenguss, sodass wir glücklich und etwas abgekühlt in Pontressina ankamen.
Heute ist die Ultimate Alps Tour so richtig in Fahrt gekommen. Nach einem entspannten Frühstück in unserem Hotel in Pontresina trafen wir uns zum täglichen Morgenbriefing. Die wichtigste Entscheidung war allerdings bereits am Vorabend gefallen: Fahren wir die kurze Route oder gehen wir aufs Ganze? Die Antwort war einstimmig. Wir wollten die lange Strecke – 330 Kilometer, fünf legendäre Alpenpässe, unzählige Kehren und ein ganzer Tag voller unvergesslicher Motorradmomente. Bevor wir uns in die Berge stürzten, legten wir einen kurzen Fotostopp am wunderschönen St. Moritzersee ein. Das kristallklare Wasser spiegelte die umliegenden Gipfel perfekt wider. Die Kameras klickten, überall wurde gelächelt, und dann war es Zeit, unsere Kurventechnik am Maloja-Pass (1.815 m / 5.955 ft) aufzuwärmen. Seine flüssigen Kurven boten den perfekten Einstieg in einen fantastischen Tag in den Alpen. Kurz darauf wechselten wir für einen kleinen Abstecher nach Italien. Dort gab es eigentlich nur eine vernünftige Entscheidung: einen echten italienischen Espresso genießen, bevor wir unsere Motorräder wieder Richtung Schweiz lenkten. Zurück führte unsere Route über den spektakulären Splügenpass (2.114 m / 6.936 ft). Die Straße selbst ist bereits ein Meisterwerk alpiner Straßenbaukunst, doch die eigentliche Überraschung kam uns heute entgegen. Eine Parade wunderschön restaurierter Oldtimer kämpfte sich die Passstraße hinauf. Jedes einzelne Fahrzeug sah aus, als gehöre es in ein Museum und nicht in die engen Spitzkehren der Alpen. Diesen automobilen Klassikern dabei zuzusehen, wie sie sich elegant durch die Kurven bewegten, war fast genauso unterhaltsam wie das Motorradfahren selbst. Als Nächstes erreichten wir den San-Bernardino-Pass (2.066 m / 6.778 ft), dessen idyllischer Bergsee auf der Passhöhe die perfekte Gelegenheit bot, kurz anzuhalten, die Beine zu vertreten und die beeindruckende Alpenlandschaft auf uns wirken zu lassen. Anschließend ging es wieder hinunter ins Tal, wo wir in einer kleinen Pizzeria direkt neben einem romantischen Wasserfall zu Mittag aßen. Der Besitzer sah Anthony Quinn verblüffend ähnlich – oder vielleicht war es auch dessen verschollener Zwillingsbruder – und servierte uns eine Pizza, die viele als die beste der bisherigen Tour bezeichneten. Ob es an seinem Geheimrezept oder einfach am Hunger nach einem Vormittag voller Kurven lag, konnte niemand so genau sagen. Am Nachmittag wurde es allerdings kein bisschen kühler. Auf dem Weg zum Passo del Lucomagno (1.915 m / 6.283 ft) zeigte sich die Sommersonne von ihrer gnadenlosen Seite. Die Temperaturen kletterten deutlich über 40 °C und machten jeden schattigen Abschnitt der Strecke zu einer willkommenen Erholung. Zum Glück entschädigte die spektakuläre Berglandschaft mehr als genug für die Hitze. Zum Abschluss wartete noch eine letzte Herausforderung auf uns: der Oberalppass (2.044 m / 6.706 ft). Das Timing hätte kaum besser sein können. Wir überquerten die Passhöhe nur wenige Minuten bevor die Straße für ein Supercar-Rennen gesperrt wurde. Als wir anschließend durch Andermatt fuhren, hatte man das Gefühl, das Automobilvermögen eines kleinen Landes sei dort versammelt. Bugatti Veyrons, Pagani Zondas und zahlreiche weitere automobile Schmuckstücke standen bereits aufgereiht und warteten darauf, den Oberalppass im Renntempo in Angriff zu nehmen. Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich Brunnen, wo Markus bereits auf uns wartete und uns zu unseren Parkplätzen lotste. Nach einem langen Tag in der sommerlichen Hitze fühlten sich die angenehm klimatisierten Hotelzimmer wie purer Luxus an. Das Abendessen genossen wir auf der wunderschönen Terrasse unseres Hotels mit herrlichem Blick auf den Vierwaldstättersee. Als wollte uns die Alpenwelt zum Abschluss noch einmal belohnen, schenkte uns der Himmel einen spektakulären Sonnenuntergang. Gewaltige Wolkentürme leuchteten in den unterschiedlichsten Orange- und Rottönen und bildeten den perfekten Abschluss eines unvergesslichen Motorradtages. Morgen führt uns unsere Reise weiter nach Zermatt. Die Vorfreude ist bei allen riesig – wir können es kaum erwarten zu sehen, welche Erlebnisse der nächste Tag der Ultimate Alps Tour für uns bereithält.
Der heutige Tag begann ein wenig anders: gleich nach dem Frühstück verliessen wir das Hotel und rollten für eine Viertelstunde entlang des Seeufers zum Anlegeplatz der Fähre über den Vierwaldstättersee. Während wir auf die Ankunft des Bootes warteten, erzählte Markus über den heutigen Tag. Über Sherlock Holmes in Meiringen, über die Pässe in der Zentralschweiz, von denen wir den Susten und den Furka heute bezwingen werden, über den Rhonegletscher und den Ursprung des Flusses Rhone, über die historische Dampfbahn über den Furka und über ominöse, runde Steinplatten unter Holzhütten. Die Wartezeit verflogt im nu und wir glitten über den fast spiegelglatten See auf die gegenüberliegende Seite. Bevor wir den Sustenpass erklommen, machten wir direkt am Fuße des Passes eine Kaffeestopp. An dieser Kreuzung trifft die Straße vom Grimselpass auf jene des Susten und des Brüning - einen Cent pro Motorrad, das hier vorbeikam und wir wären am Abend Millionäre gewesen! Auf einer spektakulär angelegten Straße ging es über den Sustenpass, je höher wir kletterten umso angenehmer wurden die Temperaturen. Nach einem kurzen Stopp auf der Passhöhe ging es weiter über Göschenen Richtung Andermatt. Kurz vor dem Ort hielten wir bei der Teufelsbrücke an und Markus erzählte von den smarten Bewohnern des Kanton Uri, die den bösen Gesellen an der Nase herumführten. Kurz nach Andermatt erwartete uns Philipp mit einem exzellenten Picknick, dessen Location auf Grund eines Radrennens verlegt werden musste. Von Westen her näherten sich dramatische Wolkentürme aus denen graue Schleier herabhingen und fernes Donnergrollen verkündete nichts gutes. Mit unserer Mittagspause waren wir gottseidank fertig und so lautete die Devise nurmehr: Regenzeug an und so rasch wie möglich durch! Kurzer heftiger Regen doch gleich darauf wieder trockene Straße - das sollte sich noch zwei-, dreimal bis nach Zermatt wiederholen. Aus der Ferne sahen wir den Dampfzug und als wir durch das Wallis rollten, entdeckten wir auch die Hütten auf den Steinplatten! Zu guter letzt erreichten wir Täsch, wo es hieß die Motorräder zu parken und von wo wir per Shuttle in das verbrennungsmotorfreie Zermatt gelangten. Bei einem gemütlichen Abendessen und angeregten Gesprächen ging ein ereignisreicher Tag zu Ende
Um sechs Uhr morgens zeigte sich das Matterhorn von seiner besten Seite und einige von uns waren schon wach genug, um es zu sehen. Nach einem ausgezeichneten Frühstück teilte sich die Gruppe und erkundete Zermatt und Umgebung auf verschiedenste Art und Weise. Shelley, David, Dairea and Brian gingen buchstäblich in die Luft. Mit erfahrenen Tandempiloten hoben sie vom Rifflberg ab und genossen den Flug hoch über dem Tal mit grandiosen Ausblicken auf Zermatt und die Gletscherwelt. Arleen, Jason, Michelle, Bill, Micheal, Pearl and Alan hoben auch ab, wenn auch in einer sanfteren Version. Mit der Seilbahn ging es über mehrere Stationen bis hinauf zum Matterhorn Glacier Paradise auf fast12.700 Fuß. Nicht genug, dass sie den Gletscher von außen sehen, nein, sie besuchten auch die spektakuläre Eishöhle nahe des Gipfels.
Heute stand der vierte Fahrtag unserer Ultimate Alps Tour auf dem Programm. Nach einem wohlverdienten Ruhetag hieß es Abschied nehmen vom idyllischen Bergdorf Zermatt. Der Morgen begann mit einem letzten, unvergesslichen Blick auf das majestätische Matterhorn, das stolz über den Dächern von Zermatt thronte und uns noch einmal daran erinnerte, warum dieser Ort zu den berühmtesten Bergdestinationen der Welt zählt. Da Zermatt bekanntlich autofrei ist, startete unser Tag etwas anders als gewohnt. Gemeinsam spazierten wir zum Bahnhof, stiegen in den Shuttlezug nach Täsch und wurden dort endlich wieder mit unseren Motorrädern vereint – bereit für einen weiteren spektakulären Tag in den Alpen. Unsere erste Herausforderung war der legendäre Simplonpass (2.005 m / 6.581 ft). Seit Jahrhunderten zählt der Simplon zu den wichtigsten Alpenübergängen und verbindet Nordeuropa mit Italien. Seine strategische Bedeutung nahm Anfang des 19. Jahrhunderts erheblich zu, als Napoleon den Bau der berühmten Simplonstraße in Auftrag gab – einer der ersten modernen Alpenstraßen überhaupt. Heute ist der Pass nicht nur unter Motorrad- und Fahrradfahrern bekannt. Auch der österreichische Premium-Fahrradhersteller SIMPLON trägt seinen Namen als Symbol für Qualität, Ausdauer und den Geist alpiner Abenteuer. Heute nahm ausnahmsweise auch unser Begleitfahrzeug dieselbe Strecke wie wir. Das bot die perfekte Gelegenheit für eine gemeinsame Kaffeepause direkt auf der Passhöhe. Guter Kaffee, großartige Gesellschaft und eine atemberaubende Alpenkulisse – manchmal sind es genau diese einfachen Momente, die zu den schönsten Erinnerungen einer Reise werden. Anschließend ging es hinunter Richtung Italien. Mit jedem Kilometer veränderte sich die Landschaft ein wenig mehr. Die schroffen Gipfel der Alpen wichen Kastanienwäldern, erste Palmen säumten die Straßen und schon bald fuhren wir entlang des glitzernden Lago Maggiore. Es dauerte nicht lange, bis jeder den mediterranen Charme und das südliche Lebensgefühl spüren konnte. Unser Mittagshalt im malerischen Uferort Cannero hätte kaum schöner sein können. Direkt am Lago Maggiore ließen wir uns italienische Spezialitäten schmecken und beobachteten die Boote, die gemächlich über den See glitten. Natürlich gehört zu einem See auch eine Überfahrt. Nach dem Mittagessen setzten wir mit der Fähre über den Lago Maggiore, bevor wir unsere Motorräder wieder in Richtung Berge lenkten. Offenbar hatten wir noch nicht genug Kurven gesammelt, denn wir entschieden uns für die Strecke über den San-Antonio-Pass (1.469 m / 4.820 ft). Die schmale Straße verlangte volle Konzentration, und in den zahlreichen unübersichtlichen Kehren begleiteten uns immer wieder fröhliche Hupsignale, damit der Gegenverkehr wusste, dass wir unterwegs waren. Schon bald erreichten wir wieder die Schweizer Grenze und beendeten damit unseren kleinen Abstecher nach Italien. Fast hätten wir Lugano trockenen Reifens erreicht – aber eben nur fast. Auf den letzten drei Kilometern meinte es das Wetter gut mit uns und schickte eine erfrischende Dusche. Nach einem warmen Sommertag im Sattel nahm das jedoch jeder mit einem Lächeln hin. Ein weiterer großartiger Tag auf der Ultimate Alps Tour liegt hinter uns. Heute genießen wir unsere letzte Nacht in der Schweiz, bevor wir morgen wieder nach Italien aufbrechen, wo uns die nächsten drei Nächte und viele weitere traumhafte Alpenstraßen erwarten.
Nach einer kurzen Fahrt überquerten wir die Grenze nach Italien. Unser Timing war perfekt! Wir liefen kurz vor der Fähre im Hafen von Menaggio ein, gerade genug Zeit, um die Tickets zu besorgen und um auf das Zeichen zum Boarding zu warten. In Varenna rollten wir vom Schiff und gemütlich ging es Richtung Norden, immer dem Wasser entlang, Steilufer wechselten sich mit Buchten, in denen sich Häuser aneinanderschmiegen, ab. Die Entscheidung der Tourguides war richtig, anstatt im Regen durch die Berge zu fahren, rollten wir durchs Valtllin Richtung Osten. Die kurze Regenschauer konnte uns nicht überraschen, Markus hielt rechtzeitig an, damit wir die Regenbekleidung überstreifen konnten. Bis zum Beginn der Straße auf den Passo di Aprica war alles schon wieder vorbei, die Straße trocknete auf und wir konnten die vielen Kurven genießen. Selbiges lässt sich vom ausgezeichneten Mittagessen behaupten - italienische Hausmannkost der feinen Art. Über Edolo ging es zum Passo Tonale, wo sich am Ende des Tales die Straße nach oben schlängelte, gerade richtig, um Spaß zu haben. Beim Stopp am Tonale besuchten wir die Gedenkstätte für die gefallenen italienischen Soldaten des ersten Weltkrieges. Noch eine halbe Stunde Fahrzeit und wir erreichten unser Hotel im Val de Sole. Am Abend ging es um die Weltmeisterschaft im Tischfußball: USA vs. Österreich, das Ergebnis wird hier nicht verraten.
Regen, Kurven und ein herzliches Willkommen Unser siebter Fahrtag begann unter strahlend blauem Himmel im wunderschönen Val di Sole. Sonnenschein, frische Bergluft und die Aussicht auf einen weiteren großartigen Tag machten den Abschied schwer. Obwohl der direkte Weg zu unserem nächsten Hotel nur etwa zwei Stunden gedauert hätte, entschieden wir uns einstimmig für die landschaftlich reizvollere Variante: eine rund vierstündige Schleife nach Süden rund um die imposanten Kalkgipfel der Cima Tosa – oft augenzwinkernd als „Möchtegern-Dolomiten“ bezeichnet. Obwohl sie optisch den berühmten Dolomiten zum Verwechseln ähnlich sehen, gehören sie tatsächlich zur Brenta-Gruppe. Unsere Route führte uns durch die kurvenreichen Straßen des Naturparks Adamello Brenta, wo hinter jeder Biegung ein neues Postkartenmotiv auf uns wartete. Dichte Wälder, rauschende Gebirgsbäche und scheinbar endlose Kurven machten einmal mehr deutlich, warum Norditalien zu den schönsten Motorradrevieren Europas zählt. Unser erster Stopp war der beeindruckende Molvenosee, einer der klarsten Alpenseen Italiens. Er entstand vor mehreren tausend Jahren, als ein gewaltiger prähistorischer Bergsturz das Tal verschloss und so ein natürliches Becken bildete, das sich nach und nach mit kristallklarem Bergwasser füllte. Bei besonders niedrigem Wasserstand werden auf dem Seegrund uralte Baumstümpfe sichtbar. Radiokarbondatierungen haben ergeben, dass einige dieser Bäume rund 3.000 Jahre alt sind – ein faszinierender Hinweis auf die gewaltigen geologischen Ereignisse, die diese Landschaft geformt haben. Anschließend führte uns die Strecke weiter nach Norden durch ruhige Täler bis zum Coredo-See, wo eine besondere Überraschung auf uns wartete. Markus hatte an einem wunderschönen Platz direkt am Seeufer erneut ein außergewöhnliches Picknick vorbereitet. Umgeben von hohen Bäumen und mit Blick auf das ruhige Wasser war es der perfekte Ort, um sich zu entspannen, Geschichten auszutauschen und neue Energie für den Nachmittag zu tanken. Doch während wir unser Mittagessen genossen, hatte das Wetter andere Pläne. Langsam zogen dunkle Wolken auf, und schon bald fielen die ersten Regentropfen. Also hieß es: Regenbekleidung anziehen – und das gerade noch rechtzeitig. Als wir den legendären Mendelpass (1.363 m / 4.472 ft) hinauffuhren, öffnete der Himmel endgültig seine Schleusen. Von diesem Moment an hörte der Regen nicht mehr auf. Was folgte, wurde zu einer echten Teamleistung. Gemeinsam kämpften wir uns durch den dichten Feierabendverkehr von Bozen, meisterten unzählige Spurwechsel, Kreisverkehre, Ampeln und den ganz normalen italienischen Berufsverkehr – und das alles bei strömendem Regen. Trotzdem blieb die Stimmung bestens, und trotz der anspruchsvollen Bedingungen fuhren alle sicher und souverän. Gemeinsam haben wir auch diese Herausforderung mit Bravour gemeistert! Unsere Belohnung wartete am Ende des Anstiegs nach Klobenstein. Das wunderschöne Bemelmans Post Hotel empfing uns mit herzlicher Gastfreundschaft, wohliger Wärme und der Möglichkeit, endlich wieder trockene Kleidung anzuziehen. Viele von uns waren sich schnell einig: Dieses Hotel gehört zu den schönsten Unterkünften der gesamten Ultimate Alps Tour. Und das Beste daran? Morgen müssen wir unsere Koffer nicht packen, denn wir bleiben zwei Nächte hier. Ein wohlverdienter Ruhetag wartet auf uns, bevor das Abenteuer weitergeht … oder werden wir morgen doch noch den einen oder anderen Pass unter die Räder nehmen – einfach nur weil wir es können?
Nach sechs unvergesslichen Fahrtagen auf einigen der schönsten Alpenstraßen Europas stand heute offiziell unser Ruhetag in Klobenstein auf dem Programm. Zumindest laut Reiseverlauf. Die Realität sah allerdings etwas anders aus. Zwei Teilnehmer entschieden sich tatsächlich dafür, den Tag ganz entspannt anzugehen, das Wellnessangebot unseres Hotels zu genießen und nur eine kleine Ausfahrt auf eigene Faust zu unternehmen. Der Rest der Gruppe war sich dagegen schon beim Frühstück einig: Heute geht es in die Dolomiten! Und mal ehrlich – wer könnte dieser Versuchung schon widerstehen? Kaum ein Gebirge ist so unverwechselbar wie die Dolomiten. Ihre steilen, hellen Felswände scheinen im Sonnenlicht regelrecht zu leuchten und bilden einen faszinierenden Kontrast zu den tiefgrünen Wäldern darunter. Ihren Namen verdanken sie dem französischen Geologen Déodat de Dolomieu, der das hier vorkommende Gestein – den Dolomit – Ende des 18. Jahrhunderts erstmals wissenschaftlich beschrieb. Dass diese beeindruckenden Berge einst ein tropisches Korallenriff waren, das sich vor über 250 Millionen Jahren unter einem flachen Meer befand, ist kaum vorstellbar. Erst durch die Auffaltung der Alpen wurden diese uralten Riffe in schwindelerregende Höhen gehoben. Heute gehören die Dolomiten nicht ohne Grund zum UNESCO-Weltnaturerbe und zählen zu den spektakulärsten Motorradrevieren der Welt. Von Klobenstein ging es zunächst hinunter nach Bozen, bevor wir nach Osten abbogen und in das eintauchten, was man wohl ohne Übertreibung als Paradies für Motorradfahrer bezeichnen kann. Zwei herrliche Rundtouren, verbunden durch ein kurzes Verbindungsstück, warteten mit unzähligen Kurven und grandiosen Ausblicken auf uns. Auch das Wetter zeigte sich heute von seiner besten Seite. Der heftige Regen des Vortages hatte die Straßen sauber gewaschen, und die warme Sommersonne erledigte den Rest. Trockener Asphalt, glasklare Fernsicht und angenehme Temperaturen sorgten für nahezu perfekte Bedingungen. Unser erster Halt führte uns an den malerischen Karersee. Eingebettet zwischen dichten Wäldern und den markanten Felswänden des Latemars leuchtete das smaragdgrüne Wasser wie gemalt. Natürlich wurden sofort die Kameras gezückt – auch wenn Fotos diesem Ort eigentlich nie ganz gerecht werden. Anschließend begann der eigentliche Fahrspaß. Kurve um Kurve arbeiteten wir uns über den Karerpass (5.745 ft / 1.751 m) hinauf zum Passo San Pellegrino (6.293 ft / 1.918 m). Dort wartete nicht nur die Mittagspause auf uns, sondern auch überraschend gute Burger. Ob sie tatsächlich so hervorragend waren oder ob die beeindruckende Dolomitenkulisse einfach ihren Teil dazu beitrug, darüber gingen die Meinungen auseinander – geschmeckt hat es jedenfalls allen. Am Nachmittag erreichten wir die Königin der Dolomiten – die gewaltige Marmolada. Gleich von zwei verschiedenen Seiten bot sie sich uns in voller Pracht: zunächst von Osten und später vom Fedaiasee aus. Das türkis schimmernde Wasser spiegelte die umliegenden Gipfel so intensiv wider, dass einige meinten, es sehe beinahe so aus, als würden Polarlichter unter der Wasseroberfläche tanzen. Manchmal übertrifft die Natur einfach jede Vorstellung. Von dort führte uns der Weg noch einmal über den Karerpass, bevor wir nach Norden auf den Nigrapass (5.528 ft / 1.685 m) abbogen. Auf dem kurzen Verbindungsstück zwischen den beiden Schleifen erinnerte uns dichter Verkehr daran, dass wir nicht die Einzigen waren, die diesen perfekten Sommertag genießen wollten. Doch schon wenig später gehörte die Straße wieder uns. Flüssige Kurven, fantastische Ausblicke und perfekter Asphalt sorgten dafür, dass hinter jedem Visier ein breites Grinsen zu erkennen war. Die letzten Kehren brachten uns schließlich zurück hinauf nach Klobenstein. Dabei fiel allen derselbe Gedanke ein: Wie unterschiedlich sich dieselbe Straße innerhalb von nur 24 Stunden anfühlen kann. Gestern kämpften wir hier noch mit Regen und Kälte – heute genossen wir jede einzelne Kurve unter strahlend blauem Himmel. Zurück am Hotel musste jedenfalls niemand lange überlegen, ob sich das Auslassen des Ruhetages gelohnt hatte. Die Antwort war ein eindeutiges Ja. Am Abend spazierten wir gemeinsam hinüber in die Bürgerstube, wo wir den Tag bei hervorragendem Südtiroler Essen ausklingen ließen. Und ja – Pizza zählt hier definitiv zur regionalen Küche! Zwischen gutem Essen, vielen Geschichten über den Tag und jeder Menge Gelächter verging der Abend wie im Flug. Morgen wartet bereits unsere letzte gemeinsame Etappe. Noch einmal dürfen wir einige der schönsten Pässe Südtirols unter die Räder nehmen, bevor unsere Ultimate Alps Tour langsam ihrem Ende entgegengeht. Eines ist schon jetzt sicher: Es wird ein würdiger Abschluss einer ganz besonderen Reise.
Der letzte Fahrtag! Die Zeit seit unserem Start letzte Woche verging wie im Flug und wir waren schon ein bisschen traurig, dass wir heute die letzten Kilometer unter unsere Räder nahmen. Die Berge zeigten sich nochmals in ihre volle Pracht, auch das Wetter ließ nochmals seine Facetten spielen. Von Klobenstein ging es auf kleinen Straßen ins Sarntal und wir kletterten bis über die Waldgrenze, wobei die Temperatur fast bis auf 10° C abfiel. Vom Penserjoch nach Sterzing hinunter wurde es wieder wärmer, aber sofort führte die Straße auf den nächsten Pass, auf den Jaufenpass. Bei Kaffee und Kuchen wärmten wir uns auf und genossen das Panorama. Dunkle Wolken im Westen verhießen nichts Gutes! In St. Leonhard bogen wir Richtung Timmelsjoch ab und je höher wir kletterten umso bedrohlicher erschienen uns die Wolken über dem Gebirgskamm. Ein letztes Mal schlupften wir in unsere Regenjacken. Doch es waren nur ein paar Tropfen und der Asphalt zeigte nur mehr Spuren des durchgezogenen Regens. Allerding empfing uns kurz vor dem höchsten Punkt dichter Nebel. Das TOP Mountain Motorcycle Museum in Hochgurgl (Ötztal) ist das höchste Motorradmuseum Europas, es liegt auf 2.175 m. Auf 4.500 m² werden über 580 historische Motorräder und 40 Autos ausgestellt. Der Komplex, der auch ein Panoramarestaurant umfasst, ist ein legendärer Treffpunkt für Alpen-Biker. Man könnte den ganzem Tag darin verbringen, doch wir mussten weiter. Nach einem kurzen Besuch im Edelweiss HQ führten uns die letzten Kurven zurück nach Seefeld. Bei einem geselligen Abend ließen wir die Tour und ihre Highlights nochmals Revue passieren, ein Abenteuer, dass unvergesslich bleiben wird. Für Michael hatten wir noch eine kleine Überraschung bereit. Da seine nächste und somit fünfte Tour gleich am nächsten Morgen beginnt, überreichten ihm die Tourguides ein spezielles Edelweiss - Shirt. Wir gratulieren!
Nochmals einen herzlichen Dank, dass ihr uns in euren Freundeskreis mit eingeschlossen habt und es uns leicht gemacht habt, euch unsere Spielwiese fürs Motorradfahren zu zeigen. Es hat uns Spaß gemacht mit euch die vielen Kurven und Pässe zu genießen und euch auch dementsprechend zu verwöhnen. Danke für eure Freundschaft, für euer Großzügigkeit und wir hoffen, dass sich unsere Wege wieder einmal kreuzen. Alles Gute und Liebe, Markus und Philipp