Abenteuer Nordkap / ANC2601

Die meisten aus unserer Gruppe beschlossen, früher anzureisen, um die atemberaubende Landschaft von Ålesund zu genießen und vielleicht auch den Jetlag etwas zu bekämpfen. Die anderen stießen im Laufe des Tages zu uns. Der erste Tag war wie immer sehr aufregend, der offizielle Startschuss fiel jedoch mit der Begrüßungsbesprechung am späten Nachmittag. Wir fanden ein ruhiges Plätzchen in der Cocktailbar und machten es uns bei einem kleinen Begrüßungsgetränk gemütlich. Nach einer ersten Vorstellungsrunde erklärten uns Kurt und Franzi, unsere Tourguides, alles Wichtige zur bevorstehenden Tour und worauf wir achten sollten. Dann kam der spaßige Teil: die Motorradübergabe. Jeder hatte die Möglichkeit, seine Einstellungen vorzunehmen und sich mit dem jeweiligen Motorradmodell vertraut zu machen. Anschließend ließen wir den Abend gemütlich ausklingen. Ein köstliches 3-Gänge-Menü und weitere Gelegenheiten zum Kennenlernen. Alles in allem ein großartiger Start in unser Abenteuer – wir sind schon sehr gespannt, was der morgige Tag bringt!
Heute war es endlich so weit: Das Abenteuer Nordkap hat richtig begonnen! Nach einem ausgiebigen Frühstück wurden die Motorräder startklar gemacht und das Gepäck im Van verstaut. Beim Daily Briefing gab es die letzten Informationen zur Etappe, bevor sich bei allen die gleiche Mischung aus Vorfreude und Spannung bemerkbar machte. Für unsere sieben Gäste aus den USA und zwei Gäste aus China war es der erste gemeinsame Fahrtag – und entsprechend gross war die Neugier auf das, was Norwegen für uns bereithält. Das Wetter hätte zum Auftakt kaum besser sein können. Strahlender Sonnenschein begleitete uns den ganzen Tag, und die angenehm kühlen Temperaturen sorgten für perfekte Bedingungen, um die ersten Kilometer durch Norwegen in vollen Zügen zu geniessen. Schon kurz nach Ålesund führte uns eine wunderschöne Strasse entlang der Küste und durch dichte Wälder – ein perfekter Einstieg in diese aussergewöhnliche Reise. Unser erster Fotostopp galt der historischen Stordal Gamle Kyrkje, bevor wir bei Gudbrandsjuvet eine Kaffeepause einlegten. Die tief eingeschnittene Schlucht mit ihrem tosenden Wasser beeindruckte alle und sorgte für viele gezückte Kameras. Ein weiteres Highlight liess nicht lange auf sich warten: das Trollstigen Visitor Center. Nach einem gemütlichen Lunch genossen wir den Blick auf eine der berühmtesten Passstrassen Norwegens, bevor wir uns selbst auf die steile Strasse mit ihren spektakulären Serpentinen hinunter wagten. Wenig später bot der mächtige Sigfossen-Wasserfall den perfekten Rahmen für den nächsten Fotostopp. Über den Vistdalsheia-Pass führte unsere Route weiter nach Sunndalsøra, wo wir den letzten Kaffee des Tages genossen. Danach blieb nur noch eine kurze Etappe bis zu unserem Hotel in Oppdal. Nach dem Tanken für den nächsten Fahrtag liessen wir den Abend bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen. Was heute Morgen noch eine Gruppe von Motorradfahrern aus verschiedenen Ländern war, fühlte sich am Abend bereits deutlich mehr wie ein gemeinsames Team an. Bei gutem Essen wurde viel gelacht, über die Erlebnisse des Tages gesprochen und die Vorfreude auf die nächste Etappe war bei allen deutlich spürbar. Ein besserer Start in unser Nordkap-Abenteuer hätte kaum gelingen können.
Heute hatten wir nur einen kurzen Fahrtag vor uns. Also genossen wir einen gemütlichen Morgen und ein späteres Frühstück, bevor wir uns vor 10 Uhr auf den Weg machten. Die Sonne stand bereits hoch und wir fuhren den ersten Teil des Morgens eine Straße im Landesinneren entlang. Leider hatten wir nicht so viel Glück, ein Kaffee zu finden. Das Gebiet besteht überwiegend aus Ackerland mit hier und da Häusern und gelegentlich einem kleinen Dorf, und bei beiden Cafés auf der Route gab es keine Anzeichen dafür, dass sie heute öffnen sind. Also holten sich einige von uns ein paar Snacks in einem örtlichen Geschäft und fuhren weiter ins Hinterland. Die Landschaft veränderte sich von einer offenen Hochebene zu Wäldern und Seen. Craig dachte, es erinnerte ihn ein wenig an Michigan. Also hielten wir ein paar Mal an, um Fotos zu machen, und setzten unseren Weg nun weiter nach Norden in Richtung Buvika fort. Hier gingen wir pragmatisch vor und gingen direkt zur örtlichen Tankstelle, die alle notwendigen Einrichtungen für die Bedürfnisse des Reisenden bereitstellte. Von hier aus nahmen wir nicht die direkte Straße nach Trondheim, sondern genossen lieber eine kleine, unterhaltsame Runde über den Landausbuchtung im Westen der Stadt. Wir folgten hauptsächlich der Küste und störten einige sehr ernst aussehende Golfer, als wir über einen Hügel kamen. Die Fahrt nach Trondheim war sehr unkompliziert und für eine so große Stadt sehr einfach. Die Gruppe blieb eng zusammen und nach wenigen Minuten erreichten wir am frühen Nachmittag unser Hotel. So hatte jeder Zeit, die Stadt zu erkunden, die bis zum 13. Jahrhundert die Hauptstadt Norwegens war.
Unser vierter Tourtag begann ganz entspannt mit einem ausgiebigen Frühstück, bevor das Gepäck wieder seinen Platz im Van fand. Das Daily Briefing verlegten wir heute erstmals nach draussen – bei angenehmen Temperaturen liessen sich die Informationen zur heutigen Etappe gleich noch besser aufnehmen. Heute wartete ausserdem die erste von vielen Fährüberfahrten auf uns. Dank der bereits registrierten Motorräder in der FerryApp verlief alles völlig unkompliziert und wir konnten die kurze Überfahrt entspannt geniessen. Die heutige Route war deutlich kurviger als an den vergangenen Tagen. Zwar sind Norwegens langgezogene Kurven kaum mit den engen Kehren der Alpen zu vergleichen, genau das macht ihren besonderen Reiz aber aus. Der Himmel blieb fast den ganzen Tag bedeckt und viele Strassen waren noch feucht, doch wir hatten Glück und blieben den ganzen Tag vom Regen verschont. Nach einem ersten Kaffeehalt führte uns die Strecke zur Storholmen-Brücke. Die beiden kleinen Buchten links und rechts der Brücke boten ein wunderschönes Fotomotiv. Ein weiterer Höhepunkt war der Abstecher ins kleine Fischerdorf Vingsand. Die typischen roten Fischerhütten direkt am Wasser waren einfach zu schön, um sie nicht aus jeder Perspektive festzuhalten. Kameras und Drohnen waren im Dauereinsatz, bis sich schliesslich bei allen der Hunger bemerkbar machte. Ein kleines Restaurant mit ausgesprochen freundlichem Personal entpuppte sich als echter Glücksgriff. Besonders der frische norwegische Lachs schmeckte hervorragend. Nach einer ausgedehnten Mittagspause zeigte sich auf den letzten Kilometern sogar noch die Sonne, bevor wir nach einem kurzen Tankstopp unser Hotel in Overhalla erreichten. Beim gemeinsamen Abendessen liessen wir den Tag Revue passieren. Die Gespräche wurden immer persönlicher und eines spürt man inzwischen deutlich: Aus einzelnen Motorradfahrern ist langsam eine richtige Reisegruppe geworden.
Heute Morgen haben wir das verschlafene Overhalla verlassen und sind hauptsächlich auf der Küstenstraße 17 Richtung Norden gefahren. Die erste Stunde und ein bisschen führte uns landeinwärts entlang von Seen und durch Wälder in Richtung Küste. Und dann war es ein Tag voller Fjorde und Fähren. Eine kleine Anekdote am Rande: Norwegen hat 29.000 km Küstenlinie, wenn man die fast 1.200 Fjorde mitzählt, während die reine Entfernung nur etwa 2.500 km beträgt. Das Wetter ändert sich nun, da wir nach Norden fahren; heute hatten wir meist um die 12 °C und gelegentlich leichten Nieselregen. Dennoch ist die Landschaft absolut atemberaubend und die Straßen sind in einem tadellosen Zustand. Wir mussten drei Fähren nehmen, und unser Timing hätte nicht besser sein können. Bei der ersten kamen wir gerade noch rechtzeitig zum Einsteigen und konnten sofort auffahren. Bei der zweiten wurden die Motorräder zuerst verladen, bevor eine kleine Pause zum Aufladen der Batterien eingelegt wurde – so konnten wir uns organisieren und entspannen, bevor die kurze Überfahrt begann. Wir unterhielten uns ein wenig mit anderen Motorradfahrern aus Berlin und genossen eine ruhige und beschauliche Überfahrt auf der Elektrofähre. Die dritte Fähre kam kurz darauf, und auf der längeren Fahrt von fast einer Stunde konnten wir beobachten, wie die zerklüftete Küstenlinie an uns vorbeizog, nur unterbrochen von ein paar Häusern hier und da. Dank des fantastischen Timings bei den Fähren konnten wir Sandnessjøen früh erreichen und hatten vor dem Abendessen noch Zeit für einen kleinen Spaziergang.
Unser sechster Tourtag begann gleich mit einem ersten Highlight: Nach gerade einmal 5 Minuten Fahrt legten wir bereits den ersten Fotostopp ein. Die imposante Helgelandbrua bot einfach ein zu schönes Motiv, um ohne ein paar Erinnerungsfotos weiterzufahren. Da heute eine längere Etappe vor uns lag, legten wir nach rund eineinhalb Stunden einen zusätzlichen Tankstopp ein – sicher ist sicher. Praktischerweise lag gleich nebenan das Restaurant Bimbo, und so verbanden wir das Nützliche direkt mit dem Angenehmen und gönnten uns einen Kaffee. Eine Stunde später erreichten wir einen ganz besonderen Meilenstein unserer Reise: den Polarkreis! Er markiert die südliche Grenze jenes Gebietes, in dem man im Sommer die berühmte Mitternachtssonne erleben kann. Natürlich musste dieser Moment gebührend festgehalten werden, und so nahmen wir uns eine gute Stunde Zeit für Lunch, Fotos und den obligatorischen Beweis: Wir sind jetzt offiziell in der Arktis angekommen! Nach einem weiteren kurzen Kaffeehalt wartete kurz vor Bodø nochmals ein beeindruckendes Naturschauspiel auf uns. Von der Saltstraumen-Brücke beobachteten wir einen der stärksten Gezeitenströme der Welt. Gewaltige Wassermassen zwängen sich hier durch eine schmale Meerenge und erzeugen dabei eindrucksvolle Strudel – natürlich wieder ein perfektes Fotomotiv. Das Wetter hatte uns fast den ganzen Tag mit Sonnenschein und Temperaturen bis zu erstaunlichen 25 Grad verwöhnt. Erst kurz vor Bodø zeigte der Norden plötzlich seine rauere Seite: dunkler Himmel und gerade noch 12 Grad! Eine halbe Stunde später erreichten wir unser tolles Wood Hotel, wo Franziska, unsere heutige Van-Fahrerin, bereits mit einem perfekt gekühlten Boot-Beer auf uns wartete. Was will man mehr? **Heute haben wir nicht einfach nur eine geografische Linie überquert – mit dem Polarkreis fühlte es sich an, als hätte unser Abenteuer Nordkap endgültig eine neue Dimension erreicht.**
Der Morgen in Bodø begann grau und neblig. Wir mussten unser fantastisches Hotel am Hang mit Blick auf die Bucht verlassen und zum Hafen hinunterfahren. Dort reihten wir uns in die Schlange der anderen Autos, Wohnwagen und Motorräder ein, um die Morgenfähre zu den Lofoten zu besteigen, die aus über 80 Inseln unterschiedlicher Größe bestehen. Unser Ziel war Moskenes im Süden, und die Überfahrt dauerte etwas über drei Stunden. Während wir in der Schlange warteten, sprach uns ein alleinreisender Motorradfahrer an, der erzählte, dass er vor Jahren an einer Edelweiss-Tour in Peru teilgenommen hatte. Wie lustig, Linda, David und Uwe hatten das auch und es stellte sich heraus, sie waren auf der selben Tour vor über 10 Jahren! Was für ein Zufall und was für ein Wiedersehen! Die Überfahrt war anfangs leider etwas holprig, wurde aber später besser. Auf der Insel angekommen, fuhren wir Richtung Westen, um das hübsche Fischerdorf A zu besuchen, das wohl einen der kürzesten Ortsnamen der Geschichte hat. Dort stellte Craig leider fest, dass sein Kupplungszug gerissen war, was unsere ursprünglichen Pläne etwas durcheinanderbrachte. Er und Franzi tauschten die Motorräder, und Dave und Tom meldeten sich freiwillig für die wichtigen Aufgaben des "Notfall-Motorrad-Schiebers". Sobald wir alle unterwegs waren, fuhren wir bis zu unserem Treffpunkt mit Kurt, dem Van und dem Ersatzmotorrad in Leknes. Wir kamen alle wohlbehalten an – eine großartige Teamleistung! Wir tauschten die Bikes und fuhren direkt zu unserem Ziel in Svolvær. Die Lofoten sind wirklich ein atemberaubender Ort mit grünen, moosbewachsenen Riesen, die sich aus der wilden Norwegischen See erheben. Kein Wunder, dass sie zu den beliebtesten Urlaubszielen der Norweger selbst gehören.
Der achte Tourtag begann noch ganz entspannt. Beim morgendlichen Briefing zeigte sich das Wetter freundlich, doch der Wetterbericht versprach bereits, dass wir unser Tagesziel wohl nicht trocken erreichen würden. Also wurden die Regenkombis griffbereit verstaut oder gleich angezogen – man weiss ja nie. Schon nach wenigen Minuten legten wir den ersten Fotostopp am Austnesfjord ein. Von einem kleinen Hügel mit Steg bot sich uns ein traumhafter Blick über den stillen Fjord. Die ruhige Morgenstimmung und das weiche Licht machten diesen Ort zu einem perfekten Start in den Tag. Unsere einzige Fährüberfahrt führte uns von Fiskebøl nach Melbu. Während draussen ein kräftiger, kalter Wind über das Deck fegte, zog es die meisten von uns lieber nach drinnen – ein heisser Kaffee schmeckt bei norwegischem Seewind eben gleich doppelt so gut. Kurz nach der Fähre holte uns der angekündigte Regen ein. Zum Glück wartete schon bald das Hurtigruten-Museum in Stokmarknes auf uns. Das moderne Museum erzählt die Geschichte der berühmten norwegischen Postschiffe, die seit über 130 Jahren Menschen, Waren und Orte entlang der Küste miteinander verbinden. Die abgemachte Stunde verging dort wie im Flug. Auch der zweite kräftige Regenschauer konnte unsere gute Laune nicht trüben. Ein schneller Lunch mit überraschend guten Hot Dogs und einem Eis zum Dessert brachte neue Energie für die letzten Kilometer. Ein kleiner Umweg zur beeindruckenden Tjeldsund-Brücke lohnte sich allemal, bevor uns kurz vor Harstad noch die ersten Rentiere der Reise und ein kurzer Stau wegen eines Unfalls überraschte. Trotzdem erreichten wir bereits um 16:15 Uhr unser Hotel. So blieb genügend Zeit, die Umgebung zu erkunden, bevor wir den Tag beim gemeinsamen Abendessen mit vielen Geschichten, Scherzen und Lachen ausklingen liessen. Heute hat uns Norwegen gezeigt, dass Sonne, Regen, Wind und unvergessliche Momente manchmal näher beieinander liegen, als man denkt.
Nach den gestrigen Regenschauern starteten wir heute Morgen mit klarem Wetter und Temperaturen um die 11 Grad Celsius. Wir verließen Harstad im Süden und fuhren in einer Schleife ostwärts entlang der Küste. Was für eine traumhafte Fahrt! Wir passierten malerische Dörfer und eine sich ständig verändernde Küstenlinie. Die ohnehin schon ruhigen Straßen wirkten an diesem Sonntagmorgen fast menschenleer, was uns den Aufenthalt noch angenehmer machte. So fuhren wir nach Narvik, der norwegischen Hafenstadt und dem Umschlagplatz für schwedisches Erz. Wir nutzten die Gelegenheit, das hervorragende Kriegsmuseum zu besuchen, das sich auf die großen Seeschlachten in der Region während des Zweiten Weltkriegs konzentrierte. Wir waren uns alle einig, dass es eine sehr gut präsentierte Ausstellung war und die Artefakte in einem hervorragenden Zustand sind. Ein wahres Juwel! Nach dem Mittagessen ließen wir Narvik hinter uns und fuhren in Richtung schwedischer Grenze. Im Landesinneren veränderte sich die Landschaft. Von der Küste weg sanken die Temperaturen etwas, die Berge wurden kahler und die Landschaft wirkte offener. Die Grenze ist heutzutage nur noch durch zwei Schilder und ein etwas verschlafen wirkendes Zollgebäude gekennzeichnet. Wir überquerten sie problemlos und begrüßten Schweden herzlich. Die nächste Etappe führte vorbei an grünen Hügeln und dem Torneträsk-See zu unserer Rechten. Die Straßenschilder wechselten ihre Farbe, und die Geschwindigkeitsbegrenzung war etwas höher. In Kiruna angekommen, konnten wir schon von Weitem die Schutthalden der Kupfermine erkennen. Ein riesiger Betrieb und der Motor dieser Stadt. Mit dem Ausbau der Untertagemine dehnt sich Kiruna buchstäblich nach Osten aus. Einige der älteren Gebäude, darunter die Kirche und das Rathaus, werden an einen anderen Stadtrand versetzt, um sie für die nächste Generation zu erhalten. Zum Abschluss des Tages erwartete uns ein kulinarisches Erlebnis im Hotelrestaurant, und wie immer hatten wir ein angeregendes Tischgespräch.
Nach einem ausgiebigen Frühstück versammelten wir uns zum Daily Briefing vor unserem Van. Das Motto des heutigen Tourtages war schnell erklärt: **Wälder, Wälder, Wälder – und mittendrin der Pallas-Yllästunturi-Nationalpark.** Spoiler: Genau so sollte es auch kommen. Da unsere Motorräder direkt vor den gemütlichen Unterkünften geparkt waren, war das Beladen schnell erledigt. Bei strahlend blauem Himmel verliessen wir Kiruna und tauchten schon bald in die endlosen Wälder Nordskandinaviens ein. Der erste Kaffee des Tages schmeckte diesmal besonders gut. Unser Stopp führte uns zu einem typisch schwedischen *Lanthandel* – einem kleinen Dorfladen, in dem man fast alles bekommt. Für uns waren frischer Kaffee und warme Croissants allerdings mehr als genug. Nach der Pause entschied sich einer unserer Gäste, den Tag auf eigene Faust fortzusetzen. Er wollte in seinem eigenen Tempo fahren, immer wieder anhalten und die Landschaft fotografieren. Eine schöne Idee, die wir natürlich gerne unterstützten. Die nächsten Stunden führten uns über traumhaft ausgebaute Strassen vorbei an unzähligen Seen und – Überraschung – noch mehr Wäldern. Dazwischen begegneten uns immer wieder kleine Rentiergruppen. Die meisten suchten zwar lieber das Weite, sobald sie unsere Motorräder hörten, doch für einige schöne Fotos reichte die Zeit trotzdem. Am Grenzübergang nach Finnland durfte der obligatorische Fotostopp natürlich nicht fehlen. Wenig später erreichten wir Muonio, wo uns ein ausgezeichnetes Mittagessen erwartete. Vor dem Besucherzentrum stand eine ganze Herde zutraulicher Rentiere – diesmal ganz ohne Fluchtversuche und perfekt für Erinnerungsfotos. Danach hiess es wieder: **Wälder, Wälder, Wälder...** Falls jemand unterwegs einen Baum vermisst haben sollte – keine Sorge, spätestens hinter der nächsten Kurve standen wieder ein paar Tausend davon. Nach dem Tanken erreichten wir unser Hotel, wo auch unser "Einzelgänger" bereits auf uns wartete. Er berichtete begeistert, dass ihm auf seiner Solo-Tour noch deutlich mehr Rentiere begegnet waren als dem Rest der Gruppe. Beim gemeinsamen Abendessen wurde viel gelacht und erzählt, bevor wir uns auf den morgigen Tourtag freuten – denn dann heisst es bereits wieder: Zurück nach Norwegen. ***Heute wurde uns einmal mehr bewusst: Manchmal sind es nicht die spektakulären Sehenswürdigkeiten, sondern die Ruhe, die Weite und die kleinen Begegnungen am Wegesrand, die einen Tag unvergesslich machen.***
Wir sind heute Morgen etwas später losgefahren, aber das war kein Problem, da Finnland eine Stunde voraus ist und wir ohnehin wieder nach Norwegen reisten. Die Grenze war nur 30 Minuten nördlich, und wir waren im Nu drüber. Unser erster Halt heute war Juhls Silbergalerie, ein kleines Juwel abseits der Hauptstraße. Dieser Ort ist nicht nur architektonisch faszinierend, sondern auch sein Interieur ist etwas ganz Besonderes. Eine vielseitige Mischung aus orientalischer und östlicher Kunst, zeitgenössischen Gemälden und einzigartigem Schmuck – und heißen Kaffee gab's noch oben drauf! Natürlich haben wir uns hier etwas Zeit genommen, um alles auf uns wirken zu lassen. Einige aus unserer Gruppe fanden ein paar wirklich außergewöhnliche Souvenirs für zu Hause. Von hier aus ging es weiter nach Nordosten ins samische Land. Die Landschaft war geprägt von Birken und Feuchtgebieten, die nur von Seen unterschiedlicher Größe unterbrochen wurden. Alles in allem ein weites, menschenleeres Land. Das nächste größere Zentrum ist Karasjok. Hier befinden sich das samische Parlament und ein Kulturzentrum. Leider ist das bekannte Museum derzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Wir fuhren also direkt zu unserem endgültigen Ziel in Lakselv, das nur eine Stunde entfernt lag. Nach ein paar Tagen im Landesinneren sind wir nun wieder an der Küste. An der Nordküste Norwegens und morgen wollen wir dann das Nordkap erreichen!
Der zwölfte Tourtag begann wie gewohnt mit einem gemütlichen Frühstück. Doch heute lag eine ganz besondere Spannung in der Luft, denn endlich war er da – der Tag, auf den alle seit Beginn der Reise hingefiebert hatten: das Nordkap! Nach einer guten Stunde Fahrzeit gönnten wir uns einen kurzen Kaffeehalt. Anschliessend war "Movie Time" angesagt. Der Tourguide fuhr voraus, positionierte Drohne und Kamera an einer schönen Stelle und hielt fest, wie unsere Gruppe geschlossen durch die beeindruckende Landschaft rollte – Erinnerungen, die noch lange bleiben werden. Eine halbe Stunde später änderte sich die Szenerie schlagartig. Dichter Nebel legte sich über die Strasse und wurde bis zum Nordkap unser ständiger Begleiter. Oben angekommen fragte der eine oder andere schmunzelnd: "Sind wir wirklich schon da?" Viel mehr als ein paar Meter Sicht waren nämlich nicht drin. Erst der berühmte Nordkap-Globus bestätigte uns, dass wir unser Ziel tatsächlich erreicht hatten. Nach dem – typisch norwegisch – nicht ganz günstigen Eintritt war der Moment endlich da: Fotos mit dem Globus aus allen erdenklichen Perspektiven, als Gruppe, einzeln und natürlich auch mit möglichst viel Begeisterung im Gesicht. Die spektakuläre Aussicht auf das Nordmeer blieb uns zwar leider verborgen, doch vielleicht ist genau das ein guter Grund, eines Tages noch einmal hierher zurückzukehren. Nach dem Mittagessen machten wir uns wieder auf den Rückweg – begleitet vom Nebel und von unzähligen Rentieren, die heute eindeutig die Hauptrolle spielten. Manche grasten gemütlich am Strassenrand, andere spazierten völlig gelassen mitten über die Fahrbahn. Nur der erhoffte Elch liess weiter auf sich warten. Nach einem weiteren Stopp zum Tanken führte uns die letzte Etappe über die letzten zwei Kilometer einer steilen Schotterstrasse hinauf zu unserer wunderschönen Mountain Lodge. Alle meisterten diese kleine Herausforderung mit Bravour. Beim gemeinsamen Abendessen wurde das Erreichen des Nordkaps bei einem guten Glas Wein oder einem norwegischen Bier noch einmal gebührend gefeiert. "Heute haben wir gelernt: Manchmal ist nicht die Aussicht das Highlight eines Ortes – sondern der Moment, in dem man gemeinsam sein Ziel erreicht."
Heute stand der letzte Tourtag unseres Nordkap-Abenteuers auf dem Programm. Beim morgendlichen Briefing waren die Gefühle entsprechend gemischt. Einerseits wollte niemand so recht wahrhaben, dass diese zwei intensiven Wochen schon zu Ende gehen, andererseits freuten sich viele auch auf ihr eigenes Bett. Zwölf Tage auf dem Motorrad sind ein unvergessliches Erlebnis – aber eben auch körperlich fordernd. Deshalb erinnerten wir alle noch einmal daran, bis zum letzten Kilometer konzentriert zu bleiben. Die heutige Route führte uns grösstenteils entlang der traumhaften norwegischen Küste. Mal fuhren wir direkt am Meer, dann wieder an tief eingeschnittenen Fjorden entlang – eine wunderschöne Kulisse für den Abschluss unserer Reise. Natürlich liessen sich auch heute wieder zahlreiche Rentiere blicken, als wollten sie sich persönlich von uns verabschieden. Beim ersten Kaffeestopp war allerdings Geduld gefragt. Genau vor uns traf ein Reisebus voller Senioren ein, die alle dieselbe Idee hatten wie wir. Die Warteschlange vor den Toiletten wurde fast zur grössten Herausforderung des Tages – zum Glück nahmen es alle mit Humor. Das Mittagessen war dafür umso spezieller. Nach vielen Kilometern auf einer schmalen Nebenstrasse fragte sich mancher schon, ob dort überhaupt noch ein Restaurant auftauchen würde. Doch die Fahrt lohnte sich: Der Besitzer bereitete uns persönlich eine hervorragende Fischsuppe zu, da der Koch wegen eines Trauerfalls verhindert war. Ganz nebenbei erfuhren wir, dass das kleine Hotel mit einer hochmodernen KI-Wetterkamera arbeitet, die Polarlichter mit erstaunlicher Genauigkeit vorhersagen kann. Nach unserem letzten gemeinsamen Kaffee in Balsfjord erreichten wir schliesslich Tromsø. Beim Abendessen mit herrlichem Ausblick von der Dachterrasse liessen wir die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren. Jeder erzählte von seinen persönlichen Höhepunkten, bedankte sich für die gemeinsame Zeit und sprach der Gruppe – und auch uns Tourguides – ein grosses Kompliment aus. Ein schöneres Feedback kann man sich kaum wünschen. Da einige Gäste bereits am frühen Morgen ihren Heimflug antreten mussten und für uns Tourguides das Verladen der Motorräder anstand, endete der Abend etwas früher als gewohnt. Trotzdem fiel der Abschied nicht leicht. **Jede Reise endet irgendwann. Doch die schönsten Touren nimmt man nicht im Tankrucksack mit nach Hause, sondern im Herzen. Wir bedanken uns bei unseren Gästen für ihr Vertrauen, die vielen gemeinsamen Erlebnisse und die unvergesslichen Momente. Wir wünschen allen eine gute Heimreise – und wer weiss... vielleicht kreuzen sich unsere Wege schon bald auf einer weiteren Edelweiss-Tour wieder.** 🏍️🇳🇴❤️