Eine dauerhafte Achterbahn, eingebettet zwischen hohen Berggipfeln (CGA2601)

Fast alle waren bereits im Hotel eingetroffen, um sich an die Ortszeit zu gewöhnen. Die Teilnehmer der „Grand Alps Tour“ waren aus den USA, Kanada und sogar von der anderen Seite der Welt – aus Australien – nach Seefeld angereist. Während einige den zusätzlichen Tag zum Entspannen oder für den Besuch des Wellnessbereichs nutzten, fuhren Todd und Bob gemeinsam mit Tourguide Thomas nach Innsbruck, um die Stadt und die Umgebung zu erkunden; Ian und Brian hingegen zogen es vor, eine erste Ausfahrt mit ihren Motorrädern zu unternehmen, um sich auf die Tour einzustimmen. Nach einer theoretischen Einweisung führte Markus die Gruppe auf eine erste, kurze Passfahrt – hinauf zum Kühtai.
Um 17 Uhr findet der offizielle Auftakt der Tour statt! Auf der Terrasse sitzend, lauscht die Gruppe der unterhaltsamen Einführung durch die Reiseleiter. Bei einem Glas Wein oder Bier erfahren die Teilnehmer Wissenswertes über Geografie, Geschichte und Kultur der bereisten Region, gefolgt von hilfreichen Sicherheitshinweisen. Schließlich werden die Motorradschlüssel übergeben – der offizielle Startschuss für das Abenteuer!
Graue Wolken bedeckten den Himmel, als wir uns für unser erstes Briefing am Morgen bereit machten. Markus zeigte uns die heutige Route, einschließlich der ersten Pässe der Tour. Die Achterbahnfahrt begann mit einer steilen Abfahrt ins Inntal, gefolgt vom ersten Anstieg auf rund 2000 Meter (6.000 Fuß) zum Kühtai – unserem ersten „offiziellen“ Pass. Nach einer kurvenreichen Abfahrt als Zwischenetappe nahmen wir das Hahntennjoch in Angriff. Je höher wir kamen, desto karger wurde die Landschaft. Felsen auf der einen Seite der schmalen Straße und eine hölzerne Leitplanke, die uns vor dem Absturz an den steilen Hängen schützte, begleiteten uns bis zur Passhöhe. Nach einem schnellen Mittagessen widmeten wir uns den nächsten Zielen: Flexenpass und Arlbergpass standen auf dem Programm. Auf dem Weg nach Landeck folgten wir dem Inn flussaufwärts und erreichten – nach einem Abstecher zum „Gacher Blick“ mit seiner herrlichen Aussicht – schließlich unser Hotel in Prutz.
Nach einem tollen ersten Tag in Österreich, geht es heute über die Grenze in die Schweiz. Bei perfektem Wetter verlassen wir Pfunds und nehmen die tolle Straße in Richtung Samnaun, einem abgelegenen Schweizer Bergdorf, unter unsere Räder. So früh am Morgen haben wir die Straße fast für uns allein und wir genießen die tollen Kurven umso mehr. Anschließend geht es weiter Richtung Flüelapass, dem perfekte Platz für unsere erste Kaffeepause auf schweizer Boden. Unser heutiges Ziel ist der malerische Ort Andermatt, an dem wir für zwei Nächte bleiben werden.
Heute hatten wir den ersten Rasttag unserer Tour im malerischen Ort Andermatt. Auch wenn es hier viele Möglichkeiten gegeben hätte, den Tag auch abseits der Motorräder zu verbringen, ließen wir es uns nicht nehmen, die umliegenden Pässe zu erkunden und das hat sich mehr als gelohnt. Als erstes fuhren wir auf den Furkapass, bekannt aus der berühmten Autoszene im James Bond Film "Goldfinger" und ein absoluter Traum zu fahren. Anschließend ging es weiter zum Grimselpass, der nicht minder schön ist. Frisch gestärkt nach unserem Kaffeestop nahmen wir anschließend mit dem Sustenpass unseren dritten Pass in Angriff und es ist wirklich schwer zu sagen, welcher davon am meisten Spaß gemacht hat. Auf dem Weg zur Göscheneralp hat uns dann auch noch Markus mit einem leckeren Picknick überrascht und hat damit den tollen Tag perfekt gemacht.
Wir waren schon am Vorabend darauf vorbereitet worden, dass uns ein langer Fahrtag bevorstand, und Markus hatte versprochen, uns den ganzen Tag über ein wenig zu fordern. Von Andermatt aus machten wir uns auf den Weg zum ersten Pass. Wir fuhren erneut über den Sustenpass, diesmal jedoch von der Ostseite aus. Da am Morgen kaum Verkehr herrschte, wurden wir gleich in der ersten Stunde verwöhnt! Nach einer entspannten Fahrt durch die belebte Gegend am Brienzersee erreichten wir Interlaken – der perfekte Ort für eine Kaffeepause. Wir fuhren noch ein Stück am Thunersee entlang und bogen dann in Richtung Grindelwald ab. Die Landschaft wirkte fast unwirklich: steile Berge, die sich in den Himmel reckten – beeindruckend hoch und schroff. Im Hintergrund ragten drei der berühmten Gipfel empor: Eiger, Mönch und Jungfrau. Da sich der Hunger meldete, suchten wir nach einem Lokal für das Mittagessen; nachdem das erste unser Geld nicht annehmen wollte, wurden wir schließlich fündig. Markus gönnte uns keine lange Pause, sodass wir bald wieder unterwegs waren. Es folgten zwei weitere Pässe, bevor wir ins Rhonetal hinabfuhren. Nach einer weiteren kurzen Pause nahmen wir den Anstieg in Richtung der französischen Grenze in Angriff. Wir hielten genau im richtigen Moment an, um Europas höchsten Berg aus der Ferne zu sehen, bevor er sich wieder hinter Wolken verbarg. Nach weiteren 45 Minuten erreichten wir unser Hotel in Frankreich. Es war definitiv ein langer Fahrtag, aber jede Minute wert.
Nachdem wir gestern nur ein kleines Stück nach Frankreich rein gefahren sind, ist es heute an der Zeit einige der tollen Alpenpässe hier zu erkunden. Kurz nach verlassen unseres Hotels nahmen wir den Col de Saisies unter die Räder und bekamen dort schon einen kleinen Vorgeschmack was Frankreich für Motorfahrer zu bieten hat. Spektakuläre Straßen in mitten einer beeindruckenden Landschaft und dafür erstaunlich wenig Verkehr. Nach einem Kaffeestop in dem mittelalterlichen Städtchen Conflans ging es weiter zu den richtigen Highlights des heutigen Tages. Mit dem Col de la Madeleine, dem Col du Telegraphe und dem Col du Galibier stehen gleich drei der bekanntesten Pässe auf unserer Route. Nachdem wir sie gefahren sind, ist uns auch klar, weshalb diese so oft auf dem Programm der Tour de France stehen.
Was für ein Tag! Es gibt doch tatsächlich einen asphaltierten Pass der noch höher ist als das altbekannte Stilfser Joch. Und der steht heute bei uns auf dem Programm! Es ist Sonntag und neben den vielen Sonntagsfahrern sind auch jede Menge Motorradfahrer unterwegs. Wir verlassen Briancon und erobern auf einer kleinen, aber feinen Straße gleich den ersten Pass. Anfangs war noch wenig Verkehr, doch je näher wir der Passhöhe kamen umso mehr war los. Wieder im Tal, rollten wir gemächlich nach Susa, um von dort aus den nächsten Pass in Angriff zu nehmen. Doch halb Italien schien die gleiche Idee gehabt zu haben. Als wir den See dort sahen, wussten wir warum. Also runter ins nächste Tal und dann den Col d’Iseran attakieren! Daniel erwartete uns auf halben Weg mit einem Picknick, sodass wir danach frisch gestärkt die Höhe des Passes erklommen. Als Schlusslicht hatten wir an diesem Tag noch den Col Petit St. Bernard vor uns. Von dort konnten wir, nachdem uns das Tage zuvor verwehrt war, den Mont Blanc sich in den wolkenlosen Himmel strecken sehen. Zu guter Letzt genossen wir in Aosta noch ein ausgezeichnetes Abendessen in einem von außen eher unscheinbaren Loka.
Nachdem wir in den letzten Tagen immer mitten in den Alpen unterwegs waren und unzählige Pässe bezwungen haben, steht uns heute ein etwas anderer Tag bevor. Denn wir folgen heute den südlichen Ausläufern der Alpen und so prägen heute eher sanfte Hügel, als schroffe Berge die Landschaft. Wir starten den Tag bei strahlend schönem Wetter und folgen dem Aosta Tal bis zu unserem ersten Fotostopp an der Festung Bart, anschließend geht es quer durch die Hügellandschaft in das malerische Örtchen Varallo wo wir heute zu Mittag halt machen. Von dort geht es wieder bergab in Richtung des Lago Maggiore, den wir mittels Fähre überqueren und von dort aus weiter nach Lugano fahren, unserem heutigen Ziel.
Zur Abwechslung gab es heute einen kurzen und entspannten Fahrtag. Zuerst ging es entlang des Lago Lugano, die schweizer-italienische Grenze passierten wir ohne Probleme und bald erreichten wir den Como See. Typisch italienische Landschaft mit verträumten Dörfern säumen die steilen Seeufer. Manche der Ortsdurchfahrten sind so eng, dass gerade noch ein Auto zwischen den Häusern durchpasst. Am späten Vormittag zieht es uns wieder in die Berge und ab Chiavenna wird das Tal wieder eng und rauer. Hohe Berggipfel ragen zu beiden Seiten auf und am Talschluss klettert die Straße in Spitzkehren auf den Maloja Pass, der zugleich der Beginn des Engadins ist. Am Silvaplaner See kurz vor St. Moritz war der Himmel voller bunter Seegel der Kytesurfer. Ein kurzer Spaziergang durch St. Moritz brachte uns auch einen Besuch im Läderach Schokogeschäft ein - sehr zur Freude aller, denn es gab für alle eine Kostprobe. So gestärkt erklommen wir den Berninapaß bevor es nach Livigno ging. Die frühe Ankunft war wilkommen, weil es uns ermöglichte, den Ort und die Geschäfte der Zollfreizone zu erkunden.
Heute steht einer der spektakulärsten Fahrtage dieser Tour auf dem Programm. Mit dem Stilfser Joch und dem Gaviapass nehmen wir heute nicht nur zwei der höchsten Passe der Alpen, sondern auch zwei der wohl eindruckvollsten in Angriff. Damit aber noch nicht genug, liegen mit dem Mendelpass und dem Tonalepass noch zwei tolle Pässe vor uns. Unser heutiges Ziel ist Bozen, die Hauptstadt Südtirols, in der wir die nächsten 2 Tage verbringen werden.
Heute haben wir den letzten Rasttag auf unserer Tour und den verbringen wir in Bozen, der Landeshauptstadt von Südtirol. Bozen hätte einiges zu bieten, um auch mal einen Tag ohne Motorräder zu verbringen, da hier die Dolomiten aber quasi vor der Haustür liegen, entscheiden sich die meisten von uns aber doch, eine Runde mit unseren Bike zu drehen und diese einmalige Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Nachdem für den Nachmittag allerdings schlechtes Wetter angekündigt war, haben wir uns entschieden die geplante Route zu kürzen und nur die wichtigsten Straßen in der näheren Umgebung unter die Räder zu nehmen. Gegen 14 Uhr sind wir wieder zurück im Hotel und haben es tatsächlich geschafft, auch heute trocken zu bleiben. Gilbert und David entschieden sich, die Stadt zu erkunden, einschließlich des Museums des berühmten, 5000 Jahre alten „Ötzi“. Am Abend werden wir uns alle in die Innenstadt begeben, um dort zu Abend zu essen und uns ein wenig umzusehen.
Und ein letztes Mal werden wir heute auf über 2500 m Seehöhe klettern! Doch zuvor rollten wir gemütlich auf der Bundesstraße Richtung Norden. Der Fluss, dem die Straße entlang läuft, hat sich tief ins Tal eingeschnitten. Doch bald verließen wir das Haupttal und unmittelbar verwandelte sich die Straße in ein enges und kurviges Geschlängel. Scheinbar ewig ging es den Berg hoch, die Anstrengung wurde mit fantastischer Aussicht belohnt. Wir überquerten die Grenze und nach dem Mittagessen mußten wir noch durch Lienz, dem Hauptort von Osttirol. Ab da begann der Anstieg zum Großglockner. Kurve für Kurve windet sich die Straße in die Höhe, bis wir den ersten Stopp, die Franz-Josefs-Höhe erreichten. Der Blick auf den Großglockner blieb uns leider verwehrt, dunkle Wolken bedeckten den Gipfel. Weiter ging es zum Hochtor, dem höchsten Punkt der Straße. Die dort abgestellte Schneeräummaschine vermittelte uns ein wenig, welche Anstrengungen es kostet, den Pass im Frühjahr von Schnee zu befreien. Die dunklen Wolken am Himmel konnten das Wasser nicht mehr halten und so machen wir uns durchnässt auf den Weg nach Kaprun, dem heutigen Zielort. Trotz des Regengusses am Ende war es ein überaus gelungener Tag!
Schwer zu glauben, dass wir nun schon zwei Wochen unterwegs sind, aber heute ist tatsächlich bereits unser letzter Fahrtag angebrochen. Bei bewölktem Wetter und angenehm kühlen Temperaturen verlassen wir Kaprun und folgen der Straße Richtung Westen. Unser erstes Highlight heute ist der Gerlospass auf dem wir zuerste bei den Krimmler Wasserfällen einen Fotostop und dann am Speicher Durlaßboden eine Pause mit Kaffee und Kuchen einlegen. Von dort geht es dann weiter dem Zillertal entlang Richtung Norden und weiter zum Achensee. Dort haben wir Glück und die historische Dampflokomotive von 1889 fährt einige Minuten nach uns im Bahnhof ein. Nach dem Mittagessen am Nordufer des Achensees machen wir noch einen Abstecher nach Deutschland bevor wir unsere Motorräder in der Edelweiß Garage in Mieming abstellen. Es war eine sensationelle Tour, voller toller Eindrücke, unzähligen Pässen und vor allem tollen Leuten mit denen man auch ohne Motorrad jede Menge Spaß haben konnte. Vielen Dank und hoffentlich bis zum nächsten Mal, eure Tourguides Markus und Daniel
