Hochalpen zum Herbstbeginn

Nachdem uns die Tourguides gestern beim Welcome Briefing die Tour in den schillerndsten Farben schilderten, waren wir alle gespannt und in voller Erwartungsfreude auf den ersten Fahrtag. Markus beleuchtete nochmals die heutige Strecke mit all ihren Highlights und endlich konnten wir die Motoren anwerfen und aus der Garage rollen. Ein kurzer Stopp in Wasserburg am Inn und ein etwas längeren am Chiemsee unterbrachen unsere Fahrt Richtung Alpen. Ab Mittag änderte sich das Bild rasch. Was zuerst noch nach niedrigen Bergketten aussah, entwickelte sich rasch zu hohen, massiven Bergzügen. Nach der Stärkung beim Mittagessen dauerte es nicht mehr lange, bis wir die Großglockner Hochalpenstraße in Angriff nahmen. Kurve um Kurve windet sich die Straße bis auf, inklusive der Edelweiss Spitze, auf über 2500 m Seehöhe. Den Großglockner selbst konnten wir auch von der Franz Josefs Höhe nicht sehen, da sich der Gipfel in den Wolken versteckte. zu guter Letzt gab es kurz vor Lienz noch eine kräftige Regenschauer mit einem bunten Regenbogen als Abschluss.
Wir starten los, genau wie wir gestern angekommen sind, nur trockener - auf zur italienischen Grenze. Erster Stop: der Soldatenfriedhof aus dem ersten Weltkrieg in Nasswald, ein eindrucksvolles und liebevoll gepflegtes Denkmal entlang der Straße, etwas versteckt durch Bäume. 20 Minuten darauf gibt es die erste Kaffeepause am Musurinasee, Panoramablick inklusive. Da sich das Wetter als unerwartet gut herausstellt, fädeln wir noch einen Abstecher mit der Gondel auf den Lagazuoi ein, bevor Tourguide Markus uns mit einem bezaubernden Picknick überrascht. Gestärkt von intalienischen Köstlichkeiten führt uns die Route über das Grödnerjoch zum Fuße des Schlern, wo wir in Völs noch die zweiten Kaffeepause einlegen. 45 weitere Fahrminuten durch die Weingärten Südtirols trennen uns noch vom nächsten Hotel in Klobenstein
Als kleinere Reisegruppe steht uns heute eine Spritztour durch Bozen, zum Mendelpass und weiter zum Penegal hoch, bevor. Was für eine Aussicht! Rekaffeiniert geht es weiter in Richtung St. Pankraz, ein kleines liebevolles Dörfchen, wo uns alpine Spezialitäten in einem netten Landgasthof erwarten. Da weniger Verkehr, als erwartet auf den Straßen ist, bleibt uns extra Zeit für einen kleinen Rundgang durch Bozen übrig. Ein paar Leute verschlägt es ins archäologische Mussum, andere spazieren quer durch die lnnenstadt. Zurück auf den Motorrädern führt uns die letzte Tagesetappe erst durch ein paar Tunnel (eine willkommene Abkühlung) in den Norden, bevor wir auf eine der spaßigsten Straßen der Reise entlassen werden.
Stilfser Joch / Passo Stelvio, die Königin der Pässe, ruft heute! nach einer langen Anfahrt durch das Vinschgau genießen wir den Cappuccino in Glurns. Jeder bereitet sich mental auf den Anstieg zum höchsten Pass der tour vor und schon geht es los. 49 Haarnadelkurven gilt es zu bewältigen und als Belohnung wartet eine von Brunos berühmten Bratwürste auf uns. Doch mit dem Stelvio ist nicht genug, es warten noch weitere Pässe auf uns. Passo Gavia beeindruckt mit einer unvergleichlichen Landschaft und einer sehr schmalen, kurvenreichen Straße. Manchmal kommen gerade zwei Motorräder aneinander vorbei. Zu guter letzte bleibt uns noch Passo Bernina. Man könnte es den Puderzucker auf der Torte nennen, eine schöne, gut ausgebaute Straße, die uns in die Schweiz nach Pontresina bringt, unseren heutigen Übernachtungsort.
Ein etwas kühlerer Sommermorgen weckt uns heute in Pontresina, jedoch gänzlich wolkenlos am Himmel - ideale Fahrbedingungen. Als erstes begeben wir uns auf den Albulapass für Fotos dieser atemberaubenden Gegend, bevor wir dann in Cafe Aurora in Lenzerheide unsere erste kleine Stärkung einnehmen - Bündner Nusstorte mit exzellentem italienischem Kaffee. Eine gute Stunde später erreichen wir das Heididorf in Mainfeld für unser Mittagessen. Es mag zwar etwas touristisch sein, aber die Aussicht und das Essen sind erstklassig. Nach einem kurzen Fotostopp in Vaduz für das hiesige Schloss, geht es zunächst noch durch Fekdkirch ubd Rankweil, bevor dann der Anstieg aufs Furkajoch startet. Die Landschaft dort oben ist einfach erstaunlich. Bis zu unserem Zielhotel Jägeralpe in Warth ändert sich daran auch nicht sonderlich viel. In Mitten grüner Wiesen, plätschernden Bächen, Nadelnäumen und dem Bergmassiv im Hintergrund hat uns Tourguide Markus dann auch noch ein überraschendes Boot Beer beschert. Schlussendlich gab’s dann auch das vorzüglichste Abendessen im Lokal des Hotels.
Die Woche ist wie im Flug vergangen und es schien als ob der Himmel auch ein paar Tränen vergießen würde, da es unser letzter Fahrtag war. Unter von grauen Wolken bedecktem Himmel verließen wir Warth und rollten durch das Lechtal Richtung Reutte. Nachdem wir die Grenze zu Deutschland überquert hatten, gelangten wir nach Neuschwanstein. Wir betrachteten den Prachtbau König Ludwigs nur von der Ferne, genossen aber dafür den Apfelstrudel und Kaffee um so mehr. Während wir auf München zurollten, verdichteten sich die Wollken und am Starnberger See schüttete es wie aus Eimern. Danach verschwanden alle Wolken und wir genossen die Fahrt durch das bayrische Hügelland bis zu unserem Ziel in Erding. Beim Abendessen ließen wir eine unglaubliche Woche voll von Abenteuern und Geschichten Revue passieren und den Abend und die Tour bei ein paar Gläsern Bier ausklingen
Nun, meine Herren, es war uns ein Vergnügen und hat viel Spaß gemacht, mit euch auf Tour zu sein. Wir sind froh und zugleich stolz darauf, dass ihr uns erlaubt haben, euch unsere Heimat zu zeigen, und dass wir gemeinsam Erinnerungen schaffen konnten, die hoffentlich noch lange nachwirken. Wir hoffen, euch eines Tages wiederzusehen, und wünschen euch eine gute Heimreise. Alles Gute und herzliche Grüße, Walter und Markus
