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best book there is, Teil 9: Feuchter Notausgang

Freitag, 19. März 2021 | Thomas Ritt | News / Nord- und Südamerika

Es geschah auf der Adventure Patagonien Tour 2012. Ich fuhr mit meiner 1200 GS durch ein schmales Tal auf einer Schotterpiste, praktisch allein in der menschenleeren Landschaft. Vor mir war kein anderer Fahrer zu sehen. Nur gelegentlich standen wilde Guanakos, die örtlichen Verwandten der Lamas, am Wegesrand.

Plötzlich tauchte Richard, ein Mitglied unserer Gruppe, vor mir auf einer schmalen Holzbrücke auf. Er gestikulierte wild mit den Armen und ich verstand, dass ich anhalten sollte. Als ich die Brücke erreichte sah ich wieso: Mitten in dem kleinen Bach, den die Brücke überquerte, stand seine GS (Foto)

Was war passiert? Unsere Gruppe, bestehend aus 14 Teilnehmern unserem Guide Florian und dem einheimischen Mechaniker, war am Morgen in Chile gestartet. Ziel der Tagesetappe war die Estancia La Angostura in Argentinien, gelegen mitten im Nirgendwo. Als wir nach kurzer Fahrt die schmale Schotterpiste, die zur Grenze führte, erreichten teilte sich die Gruppe auf.

Jeder sollte sein eigenes Tempo fahren können. Treffpunkt war die chilenische Seite des Grenzübergangs. Florian und der Begleittruck folgten am Ende.

Ich befand mich etwa in der Mitte der Gruppe als ich Richard mit seiner havarierten Maschine erreichte. Auf meine Frage was passiert war antwortete er, dass er die Brücke erst spät erkannt habe, sie lag direkt hinter einer scharfen Kurve und war von Büschen verdeckt. Er befürchtet die Brücke bei der Geschwindigkeit, die er fuhr, nicht sicher überqueren zu können und hatte den “Notausgang“ genommen. Er war statt über die Brücke, geradeaus gefahren und im Bach aufrecht auf seiner Maschine sitzend zum Stehen gekommen. Glücklicherweise hatte er sich dabei nicht verletzt.

 

Die anschließende Bergungsaktion gestaltete sich etwas schwierig. Es dauerte einige Zeit, bis der Teil der Gruppe, der hinter uns gefahren war, die Brücke erreichte. Der Rest hatte von dem Malheur ja nichts mitgekommen und wartete an der Grenze. Da Hilfe von außen in der fast menschenleeren Gegend, ohne Handy Empfang, nicht zu erwarteten war, waren wir auf uns selbst gestellt.

Richard und Florian zogen sich bis auf die Unterwäsche aus und stiegen in das kalte Wasser, und schoben die 250 Kilo schwere GS an die Böschung, von wo wir sie mit vereinten Kräften aus dem Bach zogen.

Leider war die Bergung damit nicht abgeschlossen. Über den Auspuff war Wasser eingedrungen. Nachdem unser Mechaniker Ihn abmontiert und das Wasser abgelaufen war, sprang die Maschine zwar wieder an. Das Risiko ohne Ölwechsel weiter zu fahren und den Motor dabei zu beschädigen war aber zu groß. So wurde entschieden die GS auf die Ladefläche des Trucks zu laden. Die musste allerding erst freigeräumt werden, denn dort befand sich unser Gepäck und Ersatzteile für die Maschinen. Eine Rampe war allerdings nicht dabei, so dass wir die BMW händisch aufladen mussten.

Mit zweieinhalb Stunden Verspätung erreichten wir schließlich die Grenze und den Rest der Gruppe, der sich schon gefragt hatte was passiert war.

Für Richard ging die Tour erst nach zwei Tagen auf seiner Maschine weiter, denn erst dann erreichten wir einen Ort wo es genug Öl für einen kompletten Wechsel gab. Mir und sicher allen anderen beteiligten ist dieser etwas kuriose Zwischenfall auf einer nicht gerade ereignisarmen Tour durch Patagonien, dauerhaft in Erinnerung geblieben.

                  

 Jörn Uhlmann, Hamburg

 Abenteuer Patagonien-Tour 2012.

 

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